KANAL-ATHENER - DER SPIEGEL
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Briefe

KANAL-ATHENER
• aus DER SPIEGEL 36/1970
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KANAL-ATHENER

(Nr. 34/1970, SPIEGEL-Gespräch mit Rainer Barzel)

Nach realistischer Prüfung des Barzel-Gesprächs können wir nicht umhin, Ihnen unseren Dank abzustatten für dieses Dokument der CDU/CSU-Verantwortung für ganz Deutschland, denn darum geht es doch wohl.

Mainz ALFRED HEISIG

BERND BEUTEL

Die CDU/CSU fordert in der Ostpolitik menschliche Erleichterungen, den Abbruch der Berliner Mauer, die Aufhebung des Schießbefehls und die Garantie für die freie Zufahrt von und nach West-Berlin. Nach meiner Ansicht gibt es in der Bundesrepublik Deutschland keinen denkenden Menschen, der sich dies nicht wünschen würde. Zur Klarstellung sollte man für »vergeßliche« Bürger noch einmal darauf hinweisen, daß die Mauer in Berlin zu einem Zeitpunkt gebaut wurde, als in Bonn ein Bundeskanzler regierte, der der CDU angehörte. Dieser Bundeskanzler war seinerzeit nicht bereit, nach Berlin zu reisen, um das Schandwerk an Ort und Stelle zu besichtigen oder der Berliner Bevölkerung beizustehen. Die Zufahrtswege von und nach Berlin wurden in früheren Zeiten viel öfter versperrt als heute. Sowohl beim Mauerbau in Berlin als auch bei der Sperrung der Zufahrtswege hieß es in der Zeit, als die CDU/CSU regierte, daß es nicht Sache der deutschen Regierung sein könnte, hier aktiv zu werden. Die alliierten Rechte durften angeblich nicht angetastet werden. Mehr als »energische Proteste« der Alliierten waren nicht zu verzeichnen. Heute ist es einer mutigen Regierung gelungen, einen Fortschritt zu erzielen, der sich -- so Gott will -- ausbauen läßt. Die gleichen Leute, die damals mit »energischen Protesten« der Alliierten zufrieden waren und keine eigenen Initiativen ergriffen, fordern heute das »Alles oder Nichts«. Wie lächerlich und absurd klingen solche Forderungen, und wie gefährlich können sie sein. Bezüglich der menschlichen Erleichterungen sei daran erinnert, daß man damals den Regierenden Bürgermeister von Berlin bei einem energischen Vorstoß in der Passierscheinfrage wegen eines »Alleinganges« sehr heftig tadelte. Tadler waren seinerzeit die Minister der CDU/CSU in Bonn.

Köln ROBERT SCHÖNENDORN

Dort, wo wirtschaftliche Vorteile die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten bestimmen, kann das Betonen »menschlicher Argumente« nur eine hilflose, zudem noch unglaubwürdige Geste der Opposition sein -- wäre sie ehrlich gemeint, so hätte der Herr Barzel zu öffentlichen Protestkundgebungen angesichts der Beziehungen zu Griechenland, Spanien und Portugal aufrufen müssen! Lage (Nrdrh.-Westf.)

ROSEMARIE BOHLE

Barzel, Kiesinger und die Kommunistenfresser Strauß und von Guttenberg sollten auf den Knien an

die Moskwa rutschen und den Sowjets für ihre Bereitschaft, einen Schlußstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, demütig danken.

Bellachs (Schweiz) ELISABETH KNIPP

Rainer Candidus hat entscheidende Bedenken, will sich aber immerhin um ein gerechtes Urteil bemühen. Und er wird sich sehr bemühen. Er wird eine sehr, sehr lange Rede im Bundestag halten, und wieder einmal das Kunststück vollbringen, viel zu reden und nichts zu sagen. Wie sollte er auch? Bis heute ist Herr Barzel noch nicht zu der Einsicht gelangt, daß Hitler-Deutschland einen Krieg begann und verlor -- und daß die BRD, die sich als Nachfolgerin des Dritten Reiches wähnt, endlich einmal reinen Tisch machen muß. Die SPD/FDP-Regierung kapituliert nicht, verkauft nicht, verrät nicht. Sie verzichtet nicht auf deutsche Ostgebiete. Das kann sie nicht, denn sie hat keine. 25 Jahre Zechprellerei gegenüber unseren Nachbarn im Osten haben uns nichts eingebracht. Die UdSSR hat ihre berechtigte Forderung nicht vergessen. Sie hat uns oft gemahnt und stets aufs neue die Rechnung präsentiert.

Osnabrück NORBERT KRONISCH

Tip für Barzel und Co.: Nur mit einem Deutschland, das ertragen kann, wird man sich auch vertragen.

Bottrop (Nrdrh.-Westf.) GERD KAUFMANN

Wissen Sie eigentlich, was ein Kanal-Athener ist? In Ihrem SPIEGEL-Gespräch zeigt Herr Barzel aus dem Fenster seines Reichstagsbüros, um die SPIEGEL-Herren im üblichen, unterkühlten Pathos auf »den Kanal und den Stacheldraht« hinzuweisen. Was mag der Mann, der sich in der »Berliner Morgenpost« dafür gelobt fand, daß er als einziger prominenter Bundespolitiker zum 13. August nach Berlin gereist war, wohl mit dem »Kanal« gemeint haben? Ob wohl Willy Brandt, der -- wie die Morgenpost nicht zu erwähnen vergaß -- zum gleichen Tage nach Moskau -- ausgerechnet nach Moskau! -- gefahren war, dieser Lapsus auch unterlaufen wäre? Aber der ist ja ein »Unterwerfungspolitiker«, da kam's nicht so drauf an!

Berlin WILERIED STAMMNITZ

Wir Berliner sind ja Kummer mit der CDU gewohnt. Es ist aber doch beschämend, wenn ein Mensch, der sich auf Fakten beruft (Seite 32, Spalte 3) so falsche Ortskenntnis hat. Sollte das bei anderen Dingen auch so sein?

Berlin ALFRED E. HESS Am Sonntag, dem 16. August, sprach Herr Barzel in der Sendung »Bonner Perspektiven«. Die Arbeit des Kameramannes war so hervorragend, daß man Ilarzeis Schädel en face und en profil phrenologisch gut erkunden konnte. Ebenso die Form des weichilchen Mundes und die Ohrengestaltung. Man kam in unserem Hörerteam zu Schlüssen, die erschreckend waren: Barzel ist ein »Mini-Nero«! Wehe, wenn seine Emotionen, die er sichtbar mit großer Selbstdisziplin zu unterdrücken sich bemüht, zum Ausbruch kommen dürften. Köpfe würden rollen.

Frankfurt ANGELA LIERTZ

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