»Keine Antworten gekriegt« - DER SPIEGEL
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»Keine Antworten gekriegt«

SPIEGEL-Interview mit dem CDU-Mitglied Ulrich Schröder, 26
• aus DER SPIEGEL 46/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Herr Schröder, Sie sind 26 Jahre alt, Jura-Student, Mitglied der Jungen Union und der CDU -- einer von 509 Jugendlichen, mit denen die CDU auf ihrem Parteitag den Dialog suchte. Hat sich die Teilnahme gelohnt?

SCHRÖDER: Die Idee selbst war mit Sicherheit gut. Was daraus geworden ist, hat mich allerdings enttäuscht. Die 500, die hier diskutierten, waren nicht gerade repräsentativ für jene Jugend, mit der man sich tatsächlich hätte unterhalten müssen. Wirklich scharfe Attacken fehlten, die meisten brachten eine positive Grundhaltung zur CDU mit. Das ist aber gewiß nicht die Stimmung, mit der die junge Generation der CDU gegenübersteht.

SPIEGEL: Waren die falschen Leute geladen?

SCHRÖDER: Ich habe den Eindruck, daß zwei Drittel der CDU, ihren Jugendorganisationen oder verwandten Verbänden angehörten. Es hätten aber hier sein müssen Vertreter der Alternativen Listen, junge Leute aus Bürgerinitiativen, aus der Sponti-Szene, aus der Friedensbewegung.

SPIEGEL: Hat die Parteispitze die Protestbewegung bewußt draußen gelassen?

SCHRÖDER: Man hat wohl bewußt alle draußen gelassen, mit denen die Veranstaltung »unkalkulierbar« geworden wäre. Das Gespräch war danach: sittsam und gepflegt. Von den Nöten und Ängsten in der Jugend, vom Vertrauensverlust in die Parteien ist nur ganz wenig sichtbar geworden.

SPIEGEL: Also kein Dialog, sondern eine PR-Aktion?

SCHRÖDER: Ich glaube schon, daß es ein ernstgemeinter Versuch war. Die CDU läuft jetzt einer Entwicklung hinterher, die sie lange bekämpft hat. Sie beginnt einzusehen, daß dieser Aufbruch in der Gesellschaft -- Hausbesetzungen, Bürgerinitiativen, Friedensbewegung -nicht mehr einzudämmen ist. Und nun merkt sie eben, daß sie als Volkspartei, als potentielle Regierungspartei hier ansetzen muß. Das ist ja keineswegs negativ. Nur: Wenn die CDU wirklich den Dialog sucht, dann muß sie auch bereit sein, inhaltliche Positionen zu überdenken. Dann genügt es nicht, sich andere Meinungen bloß anzuhören.

SPIEGEL: Außer bei Geißler und Biedenkopf ist von dieser Bereitschaft wenig zu spüren.

SCHRÖDER: Die Jugendlichen, die hier waren, haben bestimmt nicht erwartet, daß die CDU sich auf diesem Parteitag zu ihrem Anwalt macht. Aber wir wollen gern sehen, was aus diesem Versuch wird. Helmut Kohl sagt, der Dialog soll weitergehen. Gut, wir können uns noch hundertmal unterhalten. Doch irgendwann muß sich das ja umsetzen. Sonst ist für jeden die Zeit zu schade, wenn er sich immer wieder dem sogenannten Dialog stellt und sieht hinterher, die ändern ihre Aussagen nicht und ihre politische Praxis auch nicht.

SPIEGEL: Dazu besteht für Kohl keine Notwendigkeit, solange er die Union im Aufwind sieht.

SCHRÖDER: Ich fürchte, wenn die Partei an die Regierung kommt, ist der Dialog zu Ende. Die CDU ist ja nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, Polizei einzusetzen oder das Demonstrationsstrafrecht zu verschärfen.

SPIEGEL: Fühlen Sie sich als Dialog-Alibi mißbraucht?

SCHRÖDER: Ich glaube, wenn eine Partei so ein Experiment wagt, dann sollte man als Eingeladener die Gelegenheit nutzen, um dieser Partei deutlich zu sagen, was man von ihr hält und was man von ihr erwartet. Insofern fühle ich mich nicht mißbraucht. Nachdem ich allerdings gesehen habe, wie das gelaufen ist, würde ich mir überlegen, ob ich noch an einer weiteren Veranstaltung dieser Art teilnehmen würde. Wir haben jedenfalls in Hamburg keine Antworten gekriegt auf das, was uns wirklich bedrückt.

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