Hausmitteilung King / Titel / Kurras
Stephen King, 64, ist mit mehr als 400 Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten Schriftsteller. Er kann sich ein paar Macken leisten: Eine ist, Interviewwünsche in der Regel abzulehnen. Eine andere, Journalisten, denen er in seiner Heimatstadt Bangor im US-Bundesstaat Maine Audienz gewährt, ziemlich unfreundlich zu empfangen. SPIEGEL-Redakteur Philipp Oehmke, 37, ging es anders. Es kam zu einer Begegnung, während der King über die Mühsal seines Lebens sprach, über seine Alkoholkrankheit und über Kokain. Verabredet war, wie üblich, dass King den Text des Gesprächs zur Autorisierung bekommen sollte - und Oehmke war gespannt, ob der Autor zu seinen Aussagen stehen würde. King änderte nur ein Wort: Nicht mit Tampons, wie er gesagt hatte, sondern mit Q-Tips habe er das Nasenbluten gestillt, an dem er wegen seines Kokainkonsums litt (zum Artikel ).
Fast hundert Jahre nach dem Untergang der »Titanic« bewegt wieder eine Schiffskatastrophe die Welt - weil der Kapitän der »Costa Concordia« sein Kreuzfahrtschiff aus Imponiergehabe zu nah an die toskanische Insel Giglio steuerte. Doch damit allein wird das Unglück nicht erklärt, wie ein SPIEGEL-Team herausfand. Markus Deggerich, 42, Özlem Gezer, 30, und Simone Kaiser, 33, erfuhren von Überlebenden, wie chaotisch die Evakuierung der Passagiere erfolgte. Janko Tietz, 39, recherchierte die Strukturen der Kreuzfahrtbranche, die ihre Gewinne auf Kosten schlechtbezahlter Seeleute aus Ländern der Dritten Welt macht. Fiona Ehlers, 42, sprach mit Rettern sowie mit Angehörigen der Vermissten. Titelautor Clemens Höges, 50, sieht ein grundsätzliches Problem: Viele der schwimmenden Vergnügungsparks seien auf Kosten der Sicherheit konstruiert worden. »Schiffe mit Tausenden Touristen dürfen niemals so schnell kentern wie die 'Costa Concordia'«, sagt Höges (zum Artikel ).
Der Schuss, der am 2. Juni 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg tötete, veränderte die Bundesrepublik: Die Kugel aus der Waffe des Kriminalbeamten Karl-Heinz Kurras löste die Studentenunruhen aus und lieferte dem Terror der Bewegung 2. Juni sowie der RAF einen Vorwand. Das Tatgeschehen blieb allerdings bis heute mysteriös. Monatelang haben sich die SPIEGEL-Redakteure Jürgen Dahlkamp, 46, Sven Röbel, 39, Michael Sontheimer, 56, Holger Stark, 41, und Peter Wensierski, 57, nun mit dem Autor Uwe Soukup, 55, auf Spurensuche begeben. Sie erhielten Einlass in die unterirdischen Aktenkeller des früheren Krankenhauses in Berlin-Moabit, in das Ohnesorg nach der Tat gebracht worden war, sie durchsuchten Ermittlungsakten von 1967 und machten Zeitzeugen ausfindig. Die Recherche der SPIEGEL-Leute zeigt: Kurras, heute 84, schoss mutmaßlich nicht in Notwehr, sondern unbedrängt aus nächster Nähe auf Ohnesorg. »Polizeibeamte verschleierten das in den beiden Gerichtsprozessen gegen Kurras«, sagt Wensierski, »die Tatumstände sprechen für eine vorsätzliche Tötung« (zum Artikel ).