Kündigung
Zu unserem großen Bedauern sehen wir uns gezwungen, unter den derzeitigen Umständen unsere Mitgliedschaft in der CDU aufzukündigen.
Dieser Entschluß fiel uns als überzeugten Verfechtern christlich-demokratischer Politik außerordentlich schwer. Jedoch waren die Vorgänge der letzten Wochen, insbesondere aber die Nominierung von F. J. Strauß zum gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers, derart gravierend, daß dies uns als der einzig gangbare Weg erschien.
Die Gründe, die zu dieser Entscheidung führten, seien kurz dargelegt:
Die sich über mehrere Wochen erstreckende Diskussion um die Nominierung eines Kanzlerkandidaten wurde mit einer derartigen Heftigkeit in die Öffentlichkeit getragen, daß das Ansehen der CDU in der Bevölkerung immens gelitten hat. Die heftigen Angriffe christ-demokratischer sowie -sozialer Politiker gegeneinander haben unser Vertrauen in sie und die durch sie gebildeten Gremien erheblich erschüttert. Im weiteren wurde die Nominierung des Kanzlerkandidaten von einem Gremium vorgenommen, das die Meinung der Parteimitglieder nicht oder nur unvollständig wiedergibt.
Es geht nicht an, daß eine für die Gesamtpartei und die parteipolitische Entwicklung derart weittragende Entscheidung von einem von der Partcibasis aufgestellten und der Bevölkerung gewählten Gremium ohne jegliche Erörterung und Absprache mit der sie entsendenden Basis getroffen wurde.
Somit wurde für uns der Parteiaustritt zum einzig möglichen Weg, unsere abweichende Auffassung zu verdeutlichen.
Zudem sehen wir uns nicht in der Lage, eine Politik, die durch F. J. Strauß bestimmt wird, zu unterstützen und überzeugend zu vertreten.
Unter einem Bundeskanzler Strauß erscheint uns das in der Präambel des Berliner Programms der CDU gesteckte Ziel, »den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern und die Bedingungen für eine freie Selbstentfaltung der Person zu schaffen«, in weite Ferne gerückt.
Köln MICHAEL RADKE CORNELIA KLEIN