Am Rande Luftnummer
Waren das noch Zeiten, als der Liedermacher Reinhard Mey mit Recht vermuten durfte, über den Wolken müsse die Freiheit grenzenlos sein. Heute ist der Himmel so verstopft wie der Kölner Autobahnring.
Schlimmer noch, auch solche tummeln sich da oben, die statt auf grenzenlose Freiheit mehr auf Blut und Boden stehen: Seit Tagen lässt die »Deutschland den Deutschen«-Partei DVU ein kleines Flugzeug mit ihrem Wahlbanner über Hamburg kreisen. Dort wird am 23. September gewählt. Weil die Mindestflughöhe 600 Meter beträgt, ist das fliegende Werbeplakat wenigstens vor Beschädigungen durch Andersgesinnte sicher, werden die DVU-Wahlkämpfer gehofft haben.
Doch da haben die extremen Überflieger nicht mit der Kampfbereitschaft der hanseatischen Piloten gerechnet. Die lehnten den Auftrag für den Werbeflug strikt ab; eine Art Mantafahrer am Himmel wurde daraufhin eigens aus Sachsen eingeflogen. Die Piloten sorgten nun auf ihre Art für Sauberkeit über den Wolken: Zwei von ihnen verfolgten unerbittlich den DVU-Flieger und lassen »Nazis raus«-Banner flattern: Fliegen gegen rechts. Was weder die Erfinder des Luftwahlkampfes noch ihre tapferen Verfolger bedacht haben: Über der Schlechtwetter-Metropole schweben permanent niedrige Regenwolken - der Luftkampf findet unter Ausschluss des Wahlvolks statt.
Da macht der FDP-Springteufel Jürgen Möllemann doch die besseren Luftnummern: Der Fallschirm-Politiker landet immer wieder unten - wo es jeder sieht.