UKRAINE Mord bringt Präsidenten in Bedrängnis
Eine enthauptete Leiche und ein Tonbandmitschnitt könnten den ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma bald sein Amt kosten. Der autoritär herrschende Präsident wird verdächtigt, in das Verschwinden des regimekritischen Journalisten Georgij Gongadse, 31, verwickelt zu sein. Gongadse ist Gründer und Chefredakteur der Internet-Zeitung »Ukrainska Prawda« (Ukrainische Wahrheit, Web-Adresse: pravda.com.ua), die Korruption und Vetternwirtschaft der Regierenden anprangert. Von ihm fehlte seit dem 16. September jede Spur - bis Anfang November in Kiew eine übel zugerichtete Leiche gefunden wurde. Gestützt auf Gesprächsmitschnitte, die ihm ein Geheimoffizier zugespielt habe, hat der sozialistische Oppositionsführer Alexander Moros inzwischen Präsident Kutschma beschuldigt, er habe den Auftrag erteilt, Gongadse entführen und töten zu lassen. In den 22 Minuten langen Tonbandaufzeichnungen von insgesamt elf Telefonaten sprechen drei Männer darüber, wie mit dem Journalisten zu verfahren sei. Bei den Männern handelt es sich laut Moros um Kutschma, Innenminister Jurij Krawtschenko und Wladimir Litwin, den Leiter der Präsidialverwaltung. Wegen der mangelhaften Tonqualität (Web-Adresse der englischen Übersetzung: kpnews.com) konnten die Aufnahmen noch nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Sprachmelodie, Stil und Intonation sollen denen von Kutschma verblüffend ähnlich sein. Nirgends findet sich eine direkte Aufforderung zum Mord. Der Journalist solle außer Landes gebracht und »den Tschetschenen übergeben« werden, heißt es an einer Stelle. Am Freitag wurden die drei Politiker vom Staatsanwalt erstmals vernommen. Kutschma hat die Vorwürfe zurückgewiesen und eine Klage gegen Moros angestrengt. Eine DNA-Analyse soll diese Woche darüber Klärung bringen, ob es sich bei der Leiche um Gongadse handelt.