'ne Wolke - DER SPIEGEL
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Artikel 84 / 92

Briefe

'ne Wolke
• aus DER SPIEGEL 9/1986
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

'ne Wolke

(Nr. 6/1986, Berlin: Korruption, Spendenschmiere und Filz) *

Unten im gemeinen Volke ist Berlin noch heut 'ne Wolke obenrum sieht's eher aus wie ein großes Freudenhaus. Berlin PROF. DR. HANS-DIETER GELFERT

Es wirkt schon recht befremdend, wie schnell sich Berliner CDU-Größen zu Wort melden, wenn irgendwo in hiesigen Bordellkassen Geld klimpert (frei nach Fellner). Bargteheide (Schlesw.-Holst.) UDO WILLHÖFT

Keine Bananenrepublik - ein Saustall! Berlin GEORG GOEDKE

» ... mehr, mehr!« (Zwischenruf bei der Debatte um den Mißtrauensantrag der AL-Berlin gegen den Regierenden Bürgermeister Diepgen auf die Frage des Berliner SPD-Chefs Momper, was der FDP-Umwelt-Senator Vetter denn erwartet hätte, als er den von Kurt Franke erhaltenen Briefumschlag mit 10000 Mark zu Hause »entsetzt« öffnete). Berlin JOHN ELSER

Dem SPIEGEL sei Dank für seine Berlin-Reportage. Sie ist mehr wert als viele Anzeigen. Eine richtige Großstadt wird geschildert, mit großer Politik und einigen kleinen Ganoven, mit großer Belastbarkeit und kleinen Ärgernissen. Bravissimo! Da capo!

Der Bericht wäre allerdings noch besser, wenn er sich mehr an der Wahrheit orientiert hätte und nicht an der Gerüchtebörse. Denn große Teile der geschwätzigen Darstellung sind schief, völlig überzogen und wenig glaubwürdig. Aber das ist egal. Wir freuen uns jedenfalls, daß der SPIEGEL neun Seiten unserer Stadt gewidmet hat, wenn auch getreu nach dem Motto aus dem alten Rom: »Erst mal kräftig zubeißen. Mag auch die Wunde verheilen, eine Narbe bleibt immer!« Berlin WINFRIED FEST Sprecher des Senats von Berlin

Wenn es stimmt, daß Lügen kurze Beine haben, dann werden wir von Liliputanern regiert. Ist das Freiheit statt Sozialismus? Vechta (Nieders.) ROSMARY VANCURA

Killer, Nutten, Rechtsanwälte und Behördenangestellte, Baubeamte, Senatoren Volksvertreter und Sponsoren auch ein Baustadtrat namens Schwanz Arm in Arm beim Schiebertanz. Jeder wie von ungefähr hält diskret ein Briefcouvert und ist Demokrat und Christ im Bordell, wo unser Haushalt ist. Berlin MARTIN SPERLICH

Die Berliner Christlich Demokratische Unterwelt (kurz: CDU) entzieht sich inzwischen weitgehend jeder satirischen oder melancholischen Betrachtung.

Was ist daran auch komisch, wenn eines ihrer verdienstvollen Mit-Glieder Puffvater ist und »Schwanz« heißt? Was ist daran komisch, wenn Ebi, Lummi, Manne, Stulle, Putsch und wie sie sonst in ihren Grunewaldvillen alle heißen, samtlich derselben Seilschaft angehören: eine Art Notgemeinschaft zur Rettung der politischen Moral?

Vielleicht können wieder einmal die Amerikaner helfend eingreifen und mit einer Luftbrücke in umgekehrter

Richtung den ganzen Verein zur Belohnung nach Chicago ausfliegen Berlin DR. KLAUS THIEME

Es ist begrüßenswert, daß die FDP sich mit diesen sachlichen Strukturproblemen in einer »Kommission gegen Korruption« auseinandersetzen will. Die Fraktion der Berliner FDP wäre gut beraten wenn sie sich wie die Bundestagsfraktion im Falle des Gesetzentwurfes zur Amnestie von »Steuersündern« bei der Parteispendenaffäre verhielte. Die bedeutet ein konsequentes Verhalten beim Vorgehen gegen strafrechtlich und auch politisch-moralische Sünder. Berlin NORBERT GILLMEISTER Bezirksvorstand der FDP Kreuzberg

BRIEFE

Kein Einfluß

(Nr. 7/1986, Parteispenden und Nr. 8/1986, Staatsanwälte ermitteln gegen Kohl) *

Die zweite Strafanzeige gegen Dr. Kohl wurde vom gemeinnützigen Verein »Bürger beobachten die Justiz« erstattet. Weshalb MdB Schily lediglich die Falschaussage, nicht aber den schlüssigen Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung und der Untreue zur Anzeige brachte, wissen wir nicht. Erstaunlich ist, daß es trotz Geltung des Legalitätsprinzips überhaupt erst der Anzeigen aus der Bürgerschaft bedurfte, um mit Strafermittlungen gegen Dr. Kohl zu beginnen. Anhaltspunkte ergaben sich bereits seit längerem aus den Akten der Staatsanwaltschaft und auch aus der vielfältigen Presseberichterstattung. Lesen Staatsanwälte nie den SPIEGEL? Heidelberg HANS HORST THORSPECKEN Initiative »Bürger beobachten die Justiz«

Der ehemalige Leiter der Steuerfahndungsstelle Sankt Augustin, Klaus Förster, hatte mich im Dezember 1979 wegen seiner beabsichtigten Versetzung an das Finanzamt Köln-Ost um ein persönliches Gespräch gebeten. Sein Schreiben enthielt keinen Hinweis darauf, daß er mich im Zusammenhang mit bestimmten Ermittlungsverfahren der Steuerfahndung sprechen wollte. Folgerichtig ist deshalb das von Herrn Förster gewünschte Gespräch mit dem zuständigen Personal-Abteilungsleiter des Finanzministeriums geführt worden.

Die Versetzung war aus dienstlichen Gründen gerechtfertigt. Das haben das Verwaltungsgericht Köln und das Oberverwaltungsgericht Münster in ihren Urteilen ohne Einschränkung bestätigt.

Im Februar 1978 habe ich das Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen übernommen. Von dem sogenannten Fall Langen habe ich am 15. Oktober 1979 auf dem Dienstwege Kenntnis erhalten. Am 17. Oktober 1979 hat die zuständige Straf- und Bußgeldsachenstelle beim Finanzamt Düsseldorf-Altstadt

den Vorgang an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf abgegeben. An ein Gespräch mit dem damaligen niedersächsischen Finanzminister und Bundesschatzmeister der CDU, Herrn Kiep, im Zusammenhang mit dem Fall Langen kann ich mich nicht erinnern. Ich vermag aber nicht auszuschließen, daß Herr Kiep am Rande einer Finanzministerkonferenz dieses Verfahren angesprochen hat. Ich kann aber mit Gewißheit versichern, daß ich keinen Einfluß auf die Entscheidungen der Steuerfahndung oder gar der Justizbehörden genommen habe.

Ein anderes Verhalten hätte mit Recht Unverständnis und Empörung bei den Beteiligten ausgelöst. Düsseldorf DR. DIETHER POSSER Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen

Der ehemalige Regierungsdirektor Klaus Förster, heute Rechtsanwalt in Bonn, hat an die Vorgänge eine von Possers Darstellung abweichende Erinnerung: »Herrn Finanzminister Posser war meine Rolle in der Parteispendenaffäre seit seinem Amtsantritt bekannt. Der damalige Leiter des Finanzamtes St. Augustin Herr Erich Söhngen, hat mir seinerzeit mehrfach berichtet, daß über meine Ablösung als Chef der Steuerfahndungsstelle St. Augustin auch an höchster Stelle beraten wurde. Söhngen damals: 'Herr Förster, Sie haben oben keinen einzigen Freund mehr.' Außerdem ist es nicht üblich, intern zu erhebende Vorwürfe vorab schriftlich zu fixieren.« Red .

BRIEFE

Aufkeimender Ekel

(Nr. 6/1986, Kanzler: SPIEGEL-Redakteur Dirk Koch über die Dreistigkeit, mit der Bundeskanzler Helmut Kohl antisemitische Äußerungen beurteilt) *

Bravo, Herr Koch!

Flensburg (Schlesw.-Holst.) BARBARA CANDIDA MATZ

Exzellenter Kommentar. Münster JOSEF THESING

Ihr Schreiberling mokiert sich über die Junge Union im schwäbischen Nürtingen, weil diese es leid ist, andauernd für die Sünden der Väter verantwortlich gemacht zu werden. Ich finde, die jungen Leute verweigern das erheischte mea culpa zu Recht. Zürich ESTHER DE REESE

Wir werden alles tun, um unseren Söhnen und Töchtern die Wahrheit zu vermitteln, noch im Untergrund, aber nicht mehr lange! Sie. Herr Koch, haben wir schon auf der Liste, dann stehe Ihnen Gott bei!!! Braunschweig WERNER MÜLLER

In jedem anderen Lande hätte man dem Schreiber eins auf die Schnauze gegeben - was ich hiermit tun möchte. Windischbergendorf (Bayern) W. MÖSER

Die Dreistigkeit der Tintenkulis der Hamburger Gehirnwaschanlage kennt zur Zeit keine Grenzen. Aber Vorsicht, es könnte der Tag kommen, an dem sie mit ihren eigenen Maßstäben gemessen werden. Niderau (Hessen) HELMUTH SCHRANK

Wo leben Sie eigentlich, Herr Koch? Augsburg WOLFGANG LEMKE

Damals hätte man Ihnen die Rübe heruntergehackt . Bad Nauheim (Hessen) ALFRED WEITZ Obergefreiter der Deutschen Luftwaffe a. D.

Ich bitte den SPIEGEL, mir mitzuteilen wo ich einen Ariernachweis erhalten kann, da ich bald jeden Morgen durch Korschenbroicher Gebiet muß. Mönchengladbach (Nrdrh.-Westf.) ARTHUR SNELLA

Nicht von ungefähr kommt die Aussage des Kanzlers Kohl, daß er in bezug auf die Juden feststellt, daß »eine überwältigende Mehrheit der Deutschen wie Fellner denkt«. Zweifeln Sie etwa daran? Es ist höchste Zeit, daß an dieser Vergangenheit nicht länger gewürgt, sondern endlich ausgekotzt wird! Harxheim (Rhld.-Pf.) KARL RICHTER

Schon vor über einem Jahr forderte ich den Verwalter der Oggersheimer Sprechblasenkultur schriftlich und - zugegeben - auch ein bißchen drastisch auf, dem ständig und rapide wachsenden Antisemitismus in der Bundesrepublik endlich und energisch Einhalt zu gebieten; wozu ist er denn eigentlich Kanzler? Statt dessen kam ein Anruf von der politischen Polizei, ich solle doch, bitte schön, in den nächsten Tagen dort mal persönlich vorbeischauen ("Mit meinem Anwalt?« - »Nein, bitte ohne!"). Brunsbüttel (Schlesw.-Holst.) GÜNTHER TRIEDWINDT

Zu Jesu Zeiten wäre dieser geistig-moralische Erneuerer in den Reihen der selbstgerechten Pharisäer zu finden gewesen. Von der geistigen Kompetenz ganz zu schweigen. Sagte doch schon F. A. Strauß leider zutreffend, daß diese vom lieben Gott nicht immer gleichmäßig verteilt worden sei. Bitte, bleiben Sie am Ball. Hannover NORBERT BOLOCH

Im gleichen Maß aber, wie diese Gesellschaft und vor allem ihre Führer gegenüber Skandalen weiter abstumpfen, verstärkt sich der aufkeimende Ekel in mir. Nußloch (Bad.-württ. ) ROLAND STEINMANN

Wen wundert es, wenn die Jugend sich schaudernd von solchen Politikern und der von ihnen vertretenen Politik abwendet und ins Private flüchtet? Bonn PAUL SCHLECHTRIEMEN

Dem SPIEGEL und seinem Redakteur Dirk Koch meine uneingeschränkte Hochachtung! Ich befürchtete schon, der Zeitgeist der 80er erlaubte es nicht mehr, den miefigen Dunst »silent majority« beschwörender Pappmache-Strategen auf seine Struktur hin zu durchleuchten. Düsseldorf THOMAS SCHÖNAUER

»Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen« so formulierte es Dietrich Bonhoeffer in der Verfolgung der Nazi-Zeit. Als Christ und Kommunalpolitiker schäme ich mich vor meinen jüdischen Freunden, daß solches bei uns heute schon wieder - oder immer noch? - möglich ist. Dem Ansehen unseres Landes würden diese Herren einen großen Dienst erweisen, wenn sie ganz bescheiden von der politischen Bühne abtreten würden. Moers (Nrdrh.-Westf. ) HANS-HELMUT EICKSCHEN

BRIEFE

Fachärzte gesucht

(Nr. 6/1986, Panorama: Weil die Junge Union das Projekt unterstützt, lehnen nach Ansicht von Rupert Neudeck, Vorsitzendem des »Komitees Cap Anamur / Deutsche Notärzte e. V.«, die Sandinisten eine vertragliche Grundlage für die Arbeit von Medizinern ab) *

Die Behauptung von Herrn Neudeck trifft nicht zu. Nicaragua erhält von Hilfsorganisationen aus über dreißig Ländern Unterstützung, die ganz unterschiedliche politische und religiöse Positionen vertreten.

Der Bedarf an Fachärzten und qualifizierten Krankenschwestern besteht weiter. Vor allem mangelt es an Fachärzten, an die die Patienten von Allgemeinärzten überwiesen werden können. Darüber hinaus könnten ausländische Fachärzte wertvolle Hilfe bei der fachärztlichen Ausbildung unserer Studenten im praktischen Jahr und unserer Assistenzärzte bieten.

Auf diesem Hintergrund konnte der von Ihnen in Ihrer Meldung erwähnte Vertrag nicht unterzeichnet werden, da er nur das Angebot enthielt, Allgemeinmediziner zu schicken. Deshalb baten wir Herrn Dr. Neudeck, uns über die Möglichkeiten zu informieren, die Unterstützung von Fachärzten zu erhalten, und zwar dort, wo sie in unserem Land am dringendsten gebraucht werden. Managua MARIA VICTORIA URQUIJO Direktorin im Gesundheits ministerium von Nicaragua

BRIEFE

Ohne Damen

(Nr. 5/1986, Presserecht: Prozeß über die »Erotik des Staubsaugers") *

Wieder einmal wurde aufs grauslichste gezeigt, welche Abgründe sich hinter den vertrauten Dingen des Alltags auftun können. Doch die Tücke des Objekts lauert auch in anderen Staubsaugermodellen, wie meine Freundin, damals Assistenzärztin an einer deutschen Provinzklinik, erfahren durfte. Von halb kichernden, halb entsetzten Schwestern gerufen, mußte sie bei einem Herrn mittleren Alters die Wundversorgung übernehmen, dessen Glans penis bei der genannten Praktik durch den

enormen Unterdruck schlichtweg abgerissen war. Die Gattin war zur Kur gefahren. Hamburg SYLVIA BALDWIN

Der bislang unvermutete bundesdeutsche Umgang mit Staubsaugern sollte einer allzeit innovationsbereiten Exportindustrie zu denken geben: Ich empfehle die Entwicklung eines bettfreundlichen, aus human-orientierten Weichteilen (Schaumgummi oder ähnlichem) gefertigten Staubsaugers, ausgestattet mit vagina-beziehungsweise penisangepaßten Adaptern. Das Objekt könnte die deutsche Wirtschaft für die kommenden zehn Jahre auf völlig krisensichere Füße stellen, vor allem im Hinblick auf die Exportmöglichkeiten nach devisenreichen, jedoch an verklemmter Sexualmoral leidenden Ländern (Beispiele: Saudi-Arabien, Iran, Golfstaaten). Tunis PROF. DR. FREDERIC SALMAN

In informierten Kreisen wird gemunkelt, daß die Firma Vorwerk an der Einführung eines Handsaugers für den Intimbereich arbeitet, um die unerwartete Publizität »geldwert« auszuschöpfen. Verhandlungen über den Vertrieb in »Beate-Uhse-Läden« scheinen vorerst gescheitert zu sein, weil die Werbestrategen der Sex-Shop-Kette ganzseitige Anzeigen in allen deutschen Boulevard-Blättern fahren wollten (Text: »Saugt den Samen ohne Damen"). Basel KLAUS RIEDLE

Ich könnte mich ja glatt ärgern, daß wir in unserer Wohnung keine Teppiche haben und somit auch keinen Staubsauger im Haus! Harakiri auf Knopfdruck wäre doch den Nervenkitzel wert gewesen. Halten Sie Moulinex-Allesschneider oder eine normale Haushalts- beziehungsweise Getreidemühle für eine ratsame Ersatzbefriedigung, oder soll ich meine Freundin fragen, ob sie heute abend schon was vorhat? Stuttgart MATTHIAS F. SCHMITT

Das war der absolute Wahnsinnsartikel! Ein echter Beitrag zur Gefahrenvorsorge, ja zur Verbesserung der Volksgesundheit! St. Pölten (Österreich) MANFRED WIENINGER

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