NLP-Heile
Wilhelm Heile, der 66jährige FDP -Expräsident, ist zur Niedersächsischen Landespartei übergetreten. So meldet die Landesleitung der Landespartei.
Er selbst verlautbarte, er werde auf der Landesliste der NLP »an erster Stelle neben Hellwege«, dem 1. Vorsitzenden, kandidieren.
Als der mittelgroße Mann mit der oratorischen Begabung zum letzten Male Gegenstand einer parteiamtlichen Mitteilung war, dementierte er prompt. Das war Anfang Februar, als die FDP seinen Rücktritt meldete. Ein Schiedsgericht der FDP hatte den Parteipräsidenten wegen »bestimmter programmatischer Meinungsverschiedenheiten« ersucht, »als wahrer Demokrat seine Aemter in der FDP niederzulegen«.
Heile bekundete jedoch in der »Hamburger Freien Presse«, der sein Bruder Paul als Lizenzträger vorsteht, er werde sein Amt nur in die Hände des Parteitages zurückgeben.
Ein Parteitag der FDP hat seither nicht stattgefunden. Wilhelm Heile aber ist zur NLP hinübergewechselt.
Es wäre eine üble Verleumdung, zu behaupten, daß der Expräsident erst jetzt sein welfisches Herz entdeckt habe. Im Mai 1946, auf dem ersten Landesparteitag der gelbweißen Front, erschien Heile in Celle und hielt eine umfängliche Rede. Zwar, er war es nicht, der mit der Verschmelzung NLP - FDP herausplatzte. Aber von der Begeisterung der NLP-Delegierten getragen, bestätigte er sie.
Noch nicht 24 Stunden später rückte die niedersächsische FDP unter Führung des damaligen hannoverschen Oberbürgermeisters Franz Henckel, energisch von der Celler Union ab. Doch marschierten - eine bescheidene Nachwirkung - bei den Oktoberwahlen NLP und FDP gemeinsam. Für die jetzigen Aprilwahlen haben sich CDU und NLP als Partner den hannoverschen Wahlberechtigten vorgestellt *). Die FDP aber glossiert dieses Wahlbündnis ausgiebig. Ihre Zeitung, die »Abendpost«, widmet ihrem scheidenden Präsidenten einen Leitartikel unter der Ueberschrift »Der Ofen ist aus«.
Heile hat sich nämlich gegen die ihm mißliebigen FDP-Strömungen (u. a. Finanzminister Blücher, Nordrhein; Heinrich Otto Greve, Hannover) nach Kräften gewehrt. Er mochte das Wort »kaltstellen« gar nicht hören. »Wie könnte ein glühender Ofen kaltgestellt werden!« sagte er während eines Redaktionsbesuchs.
Den Chauffeuren aber, die während der entscheidenden FDP-Sitzung auf ihre Herren warteten, erklärte Heile vor der Tür, daß in Deutschlands schwerster Zeit der einzige Mann, der Deutschland hätte helfen können, von seinen eigenen Parteifreunden nicht verstanden worden sei. Das sei Deutschlands Tragik.
Im »Tagesspiegel« nennt Eric Reger den Uebertritt Heiles eine Folge des Zusammenschlusses der liberaldemokratischen Parteigruppen zur DPD. Er kann nicht wissen, was der NLP-Chef Hellwege schon vor Jahresfrist erwähnte: Daß er auf Heile verzichtet habe, weil dieser unbedingt an erster Stelle habe kandidieren wollen.
Im ersten Niedersachsenkabinett war der Landrat von Syke Finanzminister, und, auf ausdrücklichen Wunsch, stellvertretender Ministerpräsident. An der Weimarer Verfassung hatte er als Vertreter der Demokratischen Partei mitgewirkt. Von 1920 bis 1924 saß er im Reichstag.
Die FDP-»Gruppe«, die Heile zu »stürzen« versuchte, verwies ihn im Februar auf die Europa-Union, die seine ganze Kraft in Zukunft in Anspruch nehmen werde. Im Oktober hatte Heile die Europa-Union gegründet. Die Hamburger Pan-Europäer aber widersprachen. Sie befürchteten den Mißbrauch der Europa-Idee durch eine Partei.
Heile will nicht nur Europa vereinigen. Er sieht bereits die Vereinigten Staaten der Welt kommen. »Das wird es geben, und ich werde es noch erleben«, sagte er auf dem Celler NLP-Landesparteitag. Die stammesbewußten Hannoveraner widersprachen nicht. Heile ist jetzt einer der ihren.
*) Inoffizielle Nachrichten wollen wissen, daß sich die CDU schon jetzt nach einem geeigneten Ministerpräsidenten umsieht, für den Fall, daß CDU und NLP zusammen über die SPD obsiegen werden. Dr. Gereke (CDU) war seinerzeit überstürzt als Innenminister nominiert worden. Er wurde beurlaubt da er sich wegen seiner Vergangenheit vor einem Landtagsausschuß verantworten und einem Kategorisierungsverfahren unterwerfen muß.
Oratorische Begabung Wilhelm Heile