SÜDASIEN Putin als Friedensstifter?
In »allerhöchstem Grad alarmierend« nennt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri die Spannungen zwischen den Nuklearmächten Pakistan und Indien. Dutzende Menschen kamen allein vorige Woche bei Anschlägen und Gefechten in Kaschmir um. Dennoch bleibt Hoffnung auf eine diplomatische Lösung; EU-Politiker rechnen mit einer zwei- bis vierwöchigen Schonfrist, die Indien Pakistan einräumt, bevor es mit Kommandotrupps gegen das Nachbarland vorgehen könnte. Pakistans Präsident Pervez Musharraf und Indiens Premier Atal Behari Vajpayee haben bis Mittwoch Gelegenheit, auf der Asien-Konferenz in Almaty (Kasachstan) die Lage zu entschärfen.
Hektische Aktivitäten gingen dem Treffen voraus. Großbritanniens Außenminister Jack Straw flog nach Islamabad und Neu-Delhi, ebenso der japanische Vizeaußenminister Seiken Sugiura. Dessen russischer Amtskollege Alexander Losjukow sprach in Moskau mit den pakistanischen und indischen Botschaftern. Diese Woche wird auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Südasien erwartet, während in Almaty sogar eine persönliche Vermittlung durch Wladimir Putin möglich scheint. Vajpayee will zwar nicht mit Musharraf reden, einem Treffen mit dem Kreml-Chef aber sind beide nicht abgeneigt. Sie scheuen, trotz des Aufgebots von insgesamt gut einer Million Soldaten entlang der 2900 Kilometer langen gemeinsamen Grenze, die Unwägbarkeiten eines vierten Bruderkriegs seit 1947. Eine vorläufige Befriedung dank russischer Hilfe hätte Tradition: Nach dem zweiten Kaschmir-Krieg 1965 vermittelte UdSSR-Ministerpräsident Alexej Kossygin am 10. Januar 1966 in Taschkent einen Truppenrückzug sowie das Rahmenabkommen für einen Nichtangriffspakt.