Schwarzer Freitag für Gotteskämpfer - DER SPIEGEL
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IRAN Schwarzer Freitag für Gotteskämpfer

• aus DER SPIEGEL 9/2000
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Der Erdrutschsieg der Reformkräfte bei den iranischen Parlamentswahlen hat islamische Extremisten alarmiert. Arabische Geheimdienste berichten, dass militante Gruppen im Libanon und in Palästina um ihre ideologische und materielle Rückendeckung aus Teheran fürchten, nachdem der Westkurs des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami so deutlich bestätigt wurde. Im Parlament könnten die Reformer sogar eine Zweidrittelmehrheit erreichen; bisher wurde die Madschlis von den Konservativen dominiert. Zum Bannerträger der Reformbewegung avancierte der Arzt Mohammed Resa Chatami, Bruder des Staatschefs. Der Mediziner bekam in Teheran mit großem Abstand die meisten Stimmen. Der eigentliche Spitzenkandidat der Konservativen, der frühere Staatschef Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, landete weit abgeschlagen auf Platz 28. Vor allem für jene fundamentalistischen Betonköpfe, die zu den Vorkämpfern der Islamischen Revolution gehören, brachten die Wahlen das politische Aus. So fiel der frühere Innenminister Mohtaschemi ebenso durch wie der einstige Kommandeur der Revolutionswächter Mohsen Resai. Und in Isfahan erlitt der ehemalige Geheimdienstminister Fallahian, der als einer der Drahtzieher des Mykonos-Attentats von Berlin mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, eine böse Niederlage - die selbst bis in den Libanon hinein Wirkung zeigte. Dort deklarierte die Hisbollah (Partei Gottes) den Wahltag in Iran zum »schwarzen Freitag«. Die Gotteskämpfer, die aus dem Süden des Levantestaats das verhasste Israel bekämpfen, beriefen eigens eine Geheimkonferenz ein. Gemeinsam mit den in Palästina beheimateten Terrorgruppen Hamas und Islamischer Dschihad, die gleichfalls von Iran unterstützt werden, will die Hisbollah eine Delegation nach Teheran entsenden. Zur Beruhigung der alarmierten Islamisten, aber wohl auch vor allem, um die angeschlagenen Ultras im eigenen Land nicht durch allzu schnelle Kursabweichungen zu provozieren, schickte Staatschef Chatami eine geheime Depesche nach Nahost. Persönlich versicherte der Präsident den militanten Glaubensbrüdern seine unverbrüchliche Treue. »Die Islamische Revolution in Iran«, so der Staatschef, werde »immer auf der Seite der Bewegungen bleiben«.

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