SEEBOHM.
Mit der Nominierung
von Kultusminister Richard Langeheine als CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im April 1967 haben die niedersächsischen Christdemokraten Hans-Christoph Seebohm die Chance genommen, bei einem CDU-Wahlsieg Regierungschef in Hannover zu werden. Bundesverkehrsminister Seebohm, der den Vorsitz im CDU-Landesverband Hannover führt, hatte sich (von Bundeswirtschaftsminister Schmücker und der Bundestagsabgeordneten Margot Kalinke unterstützt) gegen Langeheines Berufung mit dem Argument gewehrt, die seit vergangenem Jahr in Hannover regierende Große Koalition müsse nicht nur aus prinzipiellen Gründen durch eine - dann von ihm geführte - CDU/FDP -Regierung ersetzt werden: Seebohm fürchtet, daß sonst die Bonner Regierungsparteien durch einen SPD-Sieg bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen (Juli 1966) ihre Mehrheit im Bundesrat verlieren könnten; die sechs von Christdemokraten geführten Länder haben gegenwärtig im Bundesrat 26 Stimmen, die vier von der SPD beherrschten 15 (auf Nordrhein-Westfalen entfallen fünf Stimmen). Im Zentralvorstand der niedersächsischen CDU überwog jedoch die Auffassung, daß die Partei unter Führung von Seebohm kaum Aussicht habe, überhaupt als Koalitionspartner in Hannover akzeptiert zu werden.