Standhafter Mann - DER SPIEGEL
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Standhafter Mann

• aus DER SPIEGEL 27/1969
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Bundespräsident Heinrich Lübke scheidet mit Sorgen um sein Land aus dem Amt. Bei seinem Besuch in Göttingen am 13. Juni gab es »die schwersten Zusammenstöße zwischen Polizei und Studenten, die die Universitätsstadt bisher erlebt hat« ("Münchner Abendzeitung"); als er am vorletzten Wochenende die Kieler Woche eröffnete, wurde durch Zwischenruf e »einem alten Mann verwehrt, auf die Art, die er sich gewünscht hatte« ("FAZ") sechs Minuten lang Abschied zu nehmen. Lübke konnte nur wenige Worte sagen: »Liebe Bürger von Kiel (Zwischenrufe »Sieg Heil"), liebe Jugend (lautes Gelächter), Sie brauchen nicht zu denken, daß ich es Ihnen sehr einfach mache ("Sieg Heil"). Ich freue mich, in dieser feierlichen Stunde wieder mit Ihnen zusammen zu sein. Meine Amtszeit geht in wenigen Wochen zu Ende ("Bravo, bravo"). Deshalb möchte ich mich als Bundespräsident mit einem herzlichen Danke von Ihnen verabschieden. Möge die Kieler Woche auch in Zukunft immer eine Stätte sportlicher Fairneß und internationaler Verständigung sein. Auf Wiedersehen« (Publikumsrufe: »Zugabe, Zugabe"). Der Präsident trat zurück vom Balkon in den Rathaussaal und blieb dort länger als vorgesehen. Denn anders als Bundestagspräsident von Hassel weigerte sich Lübke standhaft, an den Toiletten vorbei durch den, Hinterausgang des belagerten Rathauses zu retirieren. Statt dessen versammelte er einen Cercle um sich, besprach den mißglückten Festakt und bekannte. »Ich habe Angst um Deutschland.«

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