TV-Vorschau
Einmal Hollywood und zurück Montag, 21.45 Uhr, ARD
Michael Möller hat für die Reportagereihe »Die Story« eine der erstaunlichsten Achterbahnfahrten der jüngeren Wirtschaftsgeschichte dokumentiert: wie zwei Göttinger Programmkinobetreiber die schöne neue Welt des Filmgeschäfts erobern wollten, scheiterten - und jetzt das Spiel noch einmal versuchen. Rainer und Michael Kölmel galten im August 1999 als Könige des Neuen Markts; eine Aktie ihrer Firma Kinowelt kostete damals 85 Euro. Im Dezember 2001 meldete Kinowelt Insolvenz an, die Kölmel-Brüder mussten das Unternehmen verlassen. Anfang dieses Jahres kauften die ehemaligen Chefs die Firma zurück. Stoff für eine Fortsetzung der Dokumentation ist somit garantiert.
Nurse Betty Montag, 22.15 Uhr, ZDF
Die Kellnerin Betty (Renée Zellweger), eine junge Frau von begnadeter Einfalt, hat ihr ganzes Leben in Fair Oaks verbracht, einem Kaff in Kansas. Bis ihr Ehemann versucht, ein paar Drogenmafiosi zu linken, die keinen Spaß verstehen; und deshalb ziehen ihm zwei Killer ziemlich buchstäblich das Fell über die Ohren. Angesichts dieses Massakers rettet sich Betty, statt einen Nervenzusammenbruch zu erleiden, in einen süßen Wahn. Sie bildet sich ein, die Ex-Verlobte des schönen Herzchirurgen aus einer Fernsehserie zu sein, den sie sogar während der Arbeitszeit hinter dem Tresen angehimmelt hat. So setzt sie sich mit verzücktem Lächeln in das Auto ihres Mannes und fährt nach Los Angeles, um den Traummann zu finden - sie wird ihn natürlich nicht in einem TV-Studio suchen, sondern im Krankenhaus. Dummerweise liegen im Kofferraum die Drogen, die ihr Mann ergaunert hat, und dummerweise sind auch die Auftragskiller von der Mafia hinter ihr her ... So beginnt dieses exzentrische Action-Roadmovie, das der Regisseur Neil LaBute mit scharfem Witz erzählt. Bis Los Angeles erreicht und der wundertätige Doktor geortet ist, droht der Film (USA 2000) bei jedem neuen aberwitzigen Handlungsdreh in voller Fahrt gegen die Wand oder wenigstens gegen eine TV-Kulisse zu knallen und rettet sich doch jedes Mal mit einem Salto auf eine höhere Ebene dieses Doppelspiels von Schein und Sein.
Treibjagd Freitag, 20.40 Uhr, Arte
Ein Männlein steht im Walde, wortkarg zwar, aber nicht ganz still und stumm: »Ich bin kein Förster, ich bin Jäger«, brummt Heiner Lauterbach und blickt besorgt ins Grüne. Lauterbach spielt einen ehemaligen Geheimdienstler namens Walter Stein, der jetzt mit seiner Flinte die Fauna in einem bayerischen Gehölz kurz hält. Auf einem seiner Streifzüge durchs Revier entdeckt Stein eine tödlich verunglückte Kurierfahrerin des Bundesnachrichtendienstes. Prompt wird der Jägermeister vom BND verdächtigt, streng geheime Unterlagen am Unfallort geklaut zu haben. Auftritt Udo Samel als durchgeknallter BND-Fahnder, der nicht weiß, dass Stein früher selbst zur Truppe gehörte - und dass beide Männer einst um dieselbe Frau buhlten. Das Problem: Samel legt seine Rolle als Karikatur an, Lauterbach meint das Ganze bitter ernst; die Krimi-Macher (Buch: Dirk Salomon, Thomas Wesskamp; Regie: Ulrich Stark) geben sich keine erkennbare Mühe, einen der beiden Schauspieler vom Holzweg abzubringen. Am Ende, so viel sei verraten, herrscht wieder Schweigen im Walde. Waidmanns Dank!