Unruhige Tiger - DER SPIEGEL
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SRI LANKA Unruhige Tiger

• aus DER SPIEGEL 34/2002
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Obwohl sich die Regierung in Colombo mit den separatistischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) nach fast zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg auf tief greifende politische Veränderungen verständigt hat, kommt eine Normalisierung im tamilischen Norden nur zögernd voran. Die mehr als 100 000 Flüchtlinge, die in diesem Jahr in ihre Heimatgebiete zurückkehren konnten, werden von der Armee noch immer daran gehindert, in ihren Häusern zu leben. Stattdessen müssen sie in Lagern kampieren oder bei Verwandten unterkommen. Auch die Bilanz des Waffenstillstands vom 22. Februar ist zwiespältig und bestärkt den Verdacht vieler Skeptiker, die LTTE seien nur an einer Atempause interessiert und wollten sich militärisch neu formieren. 174-mal wurde der Waffenstillstand gebrochen, in 146 Fällen von den Separatisten. Insgesamt erhielt die unabhängige Beobachtungskommission sogar Kenntnis von 740 Störfällen, 576 Anzeigen richteten sich gegen die Tamilen-Tiger. Unabhängig von der zweifelhaften Bilanz sollen, dank norwegischer Vermittlung, konkrete Friedensgespräche der verfeindeten Seiten Mitte September in Thailand stattfinden. »Außer der Souveränität und Einheit Sri Lankas« stünden »alle Themen zur Debatte«, erklärte ein Minister. Um die Rebellenorganisation zum Verhandlungspartner aufzuwerten, soll zehn Tage vor Gesprächsbeginn das Verbot der Tiger aufgehoben werden. Zudem hat die Regierung von Premier Ranil Wickremesinghe vorige Woche angekündigt, wesentliche Verfassungsänderungen durchzusetzen. So konnte Präsidentin Chandrika Kumaratunga das Parlament bisher eigenmächtig auflösen. Das Recht soll sie nun verlieren.

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