Washington schweigt - DER SPIEGEL
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CHINA Washington schweigt

• aus DER SPIEGEL 23/2002
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Peking und Washington beschwören seit dem 11. September ihre Zusammenarbeit in der internationalen Anti-Terror-Koalition, doch im Alltag hapert es mit der Kooperation. So verlangen die Chinesen die Auslieferung von rund 300 Staatsbürgern, die von den Amerikanern in Afghanistan gefangen genommen wurden. Sie hatten als muslimische Legionäre auf der Seite von Osama Bin Laden und den Taliban gegen die westlichen Truppen gekämpft. Der Antrag des Pekinger Außenministeriums blieb allerdings bislang unbeantwortet. Die Amerikaner gaben weder Namen noch Fotos oder Verhörprotokolle heraus. Zudem ist nicht bekannt, wo sie die Chinesen festhalten. Bei den Gefangenen handelt es sich nach chinesischen Aussagen um einen Teil von rund tausend Uiguren aus der Muslimregion Xinjiang, die sich in Trainingslagern Afghanistans hatten ausbilden lassen. Mehr Glück hatte Peking bei der Zusammenarbeit mit den Pakistanern. Die überstellten im März den Uiguren Ismail Kadir, der nach dem Angriff der Amerikaner auf Afghanistan nach Kaschmir geflohen war und dort von der Polizei verhaftet wurde. Die Chinesen werfen Kadir vor, Nummer drei einer »Islamischen Bewegung Ostturkestans« zu sein, die für die Unabhängigkeit Xinjiangs kämpft und angeblich Kontakte zu terroristischen Gruppen in Afghanistan, Pakistan und Zentralasien pflegt.

Menschenrechtler fürchten, die chinesische Regierung nutze die globale Anti-Terrorismus-Kampagne aus, um die muslimische Minderheit in Xinjiang schärfer als bisher zu verfolgen.

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