Hausmitteilung WikiLeaks / SPIEGEL-Bücher / Titel
SPIEGEL 48/2010
Foto: =Viermal hat der SPIEGEL Geheimmaterial der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht: Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, später US-Botschaftsdepeschen und Dokumente über das Gefangenenlager Guantanamo. Stets hatte die Redaktion darauf bestanden, über die Berichterstattung nur nach eigenen Grundsätzen zu entscheiden. So wurde die Identität von Informanten der US-Militärs oder von Diplomaten nicht preisgegeben, um die Zuträger zu schützen. WikiLeaks akzeptierte die Bedingungen. In der Nacht zum Freitag vergangener Woche hat WikiLeaks diesen Pfad verlassen. Ihr Chef Julian Assange, 40, ließ 251 287 Dokumente von Diplomaten mit unbearbeiteten, hochsensiblen Daten ins Netz stellen, nachdem der Zugangscode bekanntgeworden war. In einer gemeinsamen Erklärung haben der SPIEGEL, die »New York Times«, der britische »Guardian«, die französische »Le Monde« und die spanische »El País«, die WikiLeaks als Quelle genutzt hatten, diesen Schritt verurteilt. Ob der SPIEGEL künftig Enthüllungsplattformen nutzen werde, hänge davon ab, ob sie vertrauenswürdig seien, sagt SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo, 46: »WikiLeaks hat durch seine jüngste Entscheidung, das Material zu veröffentlichen, viel Vertrauen eingebüßt« (Seite 146).
Mit dem C64 begann in den achtziger Jahren der Einzug der Computer in den Alltag. Christian Stöcker, Ressortleiter Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE, beschreibt im SPIEGEL-Buch »Nerd Attack! Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook« (DVA, 14,99 Euro) die Auswirkungen des Fortschritts.
Zwanzig Jahre lang war Rolf Lamprecht SPIEGEL-Korrespondent beim höchsten deutschen Gericht. Für sein Buch »Ich gehe bis nach Karlsruhe. Eine Geschichte des Bundesverfassungsgerichts« (DVA, 19,99 Euro) hat Lamprecht recherchiert, wie die Richter mit ihren Entscheidungen das Leben in Deutschland geprägt haben.
Seit knapp zehn Jahren werden Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt. Ungeklärt blieb bisher, ob der damalige Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer dem Druck der US-Regierung nachgaben oder ob sie selbst auf den Einsatz drängten. Titelautor Christoph Schwennicke, 45, rekonstruierte das Geschehen mit einem Team von Kollegen, die SPIEGEL-Leute recherchierten bei Soldaten, in den Geheimdiensten, im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt. Sie sahen Akten ein, die bisher unter Verschluss gehalten worden waren - für den SPIEGEL hob die Bundesregierung die sonst übliche Sperrfrist von 30 Jahren auf. Die Redakteure trafen auf Gesprächspartner, die den Krieg kaum noch rechtfertigen. Schwennickes Fazit: »Die Deutschen wurden nicht von den USA nach Afghanistan gedrängt, sie wollten dorthin.« Wichtige Akteure wie der damalige Sicherheitsberater Michael Steiner und Innenminister Otto Schily, so Schwennicke, »brechen heute den Stab darüber« (Seite 74).