»Wir brauchen Optionen«
SPIEGEL: Herr Christoffers, Sie haben sich - auch zur Überraschung Ihrer eigenen Anhänger - jüngst mit dem brandenburgischen CDU-Landeschef Jörg Schönbohm getroffen. Sollen den Bündnissen von SPD und PDS in Ostdeutschland nun auch CDU-PDS-Koalitionen folgen?
Christoffers: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass demokratische Parteien miteinander koalieren können, auch wenn eine Partnerschaft mit Jörg Schönbohm gegenwärtig nicht vorstellbar ist. Dazu sind die Differenzen zu groß. Im Osten Deutschlands haben wir aber mit SPD, PDS und CDU ein sehr stabiles Drei-Parteien-System. Perspektivisch muss zur Normalität im Osten auch die Zusammenarbeit von PDS und CDU auf Landesebene gehören.
SPIEGEL: Nur lose Zusammenarbeit oder auch eine richtige Koalition?
Christoffers: Eine Koalition ist langfristig möglich. Aber das hängt dann natürlich von konkreten Verhandlungen und auch immer von den handelnden Personen ab. Weder CDU noch PDS kann daran gelegen sein, dass nur die SPD zwei Optionen für Regierungsbeteiligungen im Osten hat. Wir brauchen verschiedene Optionen.
SPIEGEL: Gibt es überhaupt inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen CDU und PDS?
Christoffers: Die SPD ist - zumindest in Brandenburg - so konservativ, dass sie ohnehin kaum von der CDU zu unterscheiden ist. Gemeinsamkeiten zwischen CDU und PDS sehe ich beim Thema Wirtschaftsförderung oder bei der Kritik daran, wie unzureichend die Bevölkerung auf die EU-Osterweiterung vorbereitet wird. Ich glaube zudem, dass die Wähler hier zu Lande kein Interesse an bestimmten Politik-ritualen haben. Sie wollen inhaltlichen Streit, aber keine Schaukämpfe zwischen politischen Konkurrenten.
SPIEGEL: Spielt bei Ihren Überlegungen auch eine Rolle, dass sich PDS- und CDU-Mitglieder aus dem »Demokratischen Block« der DDR noch kennen?
Christoffers: Man kennt sich. Man weiß, wo man herkommt. Deshalb ist es absurd, dass in Städten und Gemeinden Christdemokraten und Sozialisten ganz selbstverständlich zusammenarbeiten und ernsthaft um Sachfragen ringen - auf Landesebene aber Feindbilder aufgebaut werden.
SPIEGEL: Wo kommen denn CDU und PDS am wenigsten miteinander klar?
Christoffers: Bei der inneren Sicherheit. Gemeinsam ist das Interesse beider Parteien, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu verbessern. Aber die Union will im Unterschied zu uns mit der Polizei politische oder soziale Probleme lösen. Das ist nicht unser Ansatz.
SPIEGEL: Die Wähler von PDS und Christdemokraten sind aber beide eher konservativ.
Christoffers: Da ist etwas dran - auch wenn uns PDS-Politikern das nicht unbedingt gefällt. In der Anhängerschaft von CDU und PDS gibt es teilweise ähnlich hohe Erwartungen an einen starken Staat.
SPIEGEL: Wann gibt es denn die erste Koalition der PDS mit der CDU?
Christoffers: Schon bei der Wahl in Sachsen im Jahr 2004 könnte es zu interessanten Diskussionen kommen. Wenn die CDU dort die absolute Mehrheit verliert und wir die zweitstärkste Kraft werden, wird der Union bewusst werden, wie unklug es ist, nur über eine Option zur verfügen. Ich gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit zwischen CDU und PDS spätestens dann zum Thema in der Union wird. INTERVIEW: STEFAN BERG