Geld: Ich bin chronisch pleite, was tun? Eine Psychologin gibt Tipps zum Sparen - DER SPIEGEL
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Ich bin chronisch pleite. Was soll ich nur tun?

Unsere Psychologin weiß, was zu tun ist
Von Kathrin Hoffmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2017 auf bento.de veröffentlicht.

Marie, 23, fragt:

Ich stecke mitten in meinem Englisch-Studium, das mir nebenbei genug Zeit lässt, um zu arbeiten. Ich jobbe in einer Bar und verdiene dort sehr gut – dafür, dass es nur ein Nebenjob ist. Mit Trinkgeld bekomme ich in guten Monaten etwa 700 Euro, dazu noch Geld von meinen Eltern. Und trotzdem bin ich chronisch pleite.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns . Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Ich habe das Gefühl, dass ich mit dem Geld überhaupt nicht umgehen kann. Zu Beginn des Monats renne ich oft direkt in die Stadt und kaufe mir neue Klamotten. Ich gehe viel mit meinen Freundinnen essen, gebe beim Feiern auch mal einen Fünfziger aus. 

Es ist komisch: Geld ist mir egal, was ich habe, das verschleudere ich – wenn alles weg ist, rufe ich jammernd bei meinen Eltern an und bitte um mehr. Die waren bis jetzt immer großzügig, weil sie selbst nicht wenig haben. Aber neulich fragte meine Mutter: "Was stimmt eigentlich mit dir nicht?"

Noch mehr Notfälle? Eure Hilfegesuche – und Kathrins Antworten:
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Fragen an Psychologin Kathrin Hoffmann

Ich bekomme mein Studium auf die Reihe, habe funktionierende Freundschaften, bin zwar Single – aber eigentlich glücklich. Nur, dass mich der Gedanke ans Sparen total einengt. Ich denke immer: Jetzt bin ich jung, jetzt muss ich leben, bis ich mich anderthalb Wochen später schon wieder kaum mehr traue, auf mein Konto zu gucken.

Es dauert nicht mehr lange, bis ich die Grenze überschreite.

Bis jetzt war ich noch nie im Dispo. Aber ehrlich gesagt: Es dauert nicht mehr lange, bis ich diese Grenze überschreite. Ich habe Angst, dass ich in eine Kaufsucht abrutsche, oder dass ich generell ein Mensch bin, der den Wert von Geld gar nicht einschätzen kann. Muss ich mir ernsthafte Sorgen um mich machen.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Marie,

ich denke, dein Umgang mit Geld ist für dein Alter und deinen Lebensabschnitt nicht ungewöhnlich. Du hast immer genug Geld gehabt, und wenn es mal nicht gereicht hat, sind deine Eltern eingesprungen. Das heißt, du hast einen recht sorglosen Umgang mit Geld gelernt.

Gedanken an eine Familiengründung und einen Hausbau sind wahrscheinlich noch ganz weit weg, im Moment willst du einfach dein Leben und den Moment genießen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, so lange du keine hohen Schulden machst oder deinen Eltern ständig auf der Tasche liegst.

Mach dir bewusst, welche Einstellung du zu Geld hast

Offenbar scheint das nun doch öfter vorgekommen zu sein, nachdem deine Mutter nun doch mal kritisch nachgefragt hat. Und auch du selbst machst dir Sorgen, dass du in eine Kaufsucht abrutschen könntest. 

Ich denke, es ist ein wichtiger Schritt, dir zum einen bewusst zu machen, welche Einstellung du zu Geld hast, und zum anderen, welche Veränderung du dir wünschst. Überlege dir zunächst genau, was ein realistisches Ziel wäre.  

Zum Beispiel: Das Geld so einteilen, dass es bis zum Monatsende reicht und du dir nichts leihen musst. Oder vielleicht möchtest du sogar ein bisschen sparen? Am besten du formulierst dein Ziel so, dass es realistisch erreichbar und ganz in deinem eigenen Sinne ist, so dass du wirklich dahinter stehst. 

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Frage dich dann kritisch, ob du auch wirklich bereit bist auch die "Kosten" für deine Zielerreichung zu zahlen, also ob du zum Beispiel bereit bist, weniger Klamotten zu kaufen. Wenn du wirklich bereit bist, dein Verhalten zu ändern, überlege dir, was du konkret anders machen willst. 

Du kannst versuchen, kleine Tricks anzuwenden, mit denen du dich selbst ein Stück weit überlisten kannst: Du könntest beispielsweise einen maximalen Betrag festlegen, den du pro Woche ausgeben willst. Diesen kannst du zu Beginn jeder Woche vom Konto abheben und in einen Umschlag stecken. 

Brauchst du das Teil wirklich?

So hast du einen besseren Überblick, als wenn das Geld für den ganzen Monat direkt vom Konto abgeht. 

Bargeld hat außerdem oft gefühlt einen höheren Wert als eine Zahl auf dem Konto. Ein weiterer Trick kann sein, dass du jeden Tag dein Kleingeld oder auch mal kleine Scheine in ein Sparschein wirfst. 

Darauf kannst du dann am Ende des Monats zugreifen oder auch längerfristig etwas ansparen. 

Frage dich auch, bevor du etwas kaufst, ob du das Teil wirklich brauchst oder ob es nur um eine kurzfristige Kauflust geht. Schlafe ein oder zwei Nächte darüber und entscheide erst dann. 

Solltest du beobachten, dass du dein Kaufverhalten nicht mehr unter Kontrolle hast, du also beispielsweise wie in einem Rausch Dinge kaufst, die du gar nicht brauchst, dann würde ich dir empfehlen, frühzeitig mit einem Psychologen darüber zu sprechen, damit sich keine schwerwiegende Kaufsucht entwickelt. 

Beziehe auch deine Eltern mit ein, sprich mit Ihnen über deine Gedanken und Ziele. 

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin