Hausmitteilung
Wie fühlt sich Ihr Geheimnis an? Wie ein Klumpen im Magen? Eine tonnenschwere Last auf Ihrer Brust? Oder ist es leicht und süß und zauberhaft? Kaum etwas fasziniert uns so wie Geheimnisse. Schon als Kinder lieben wir Geheimsprachen und Geheimverstecke, als Erwachsene fürchten und schätzen wir das Verborgene und Rätselhafte. 13 Geheimnisse habe jeder Mensch im Schnitt, sagt die Forschung. Vielleicht stehen Sie gerade auf der anderen Seite, haben kürzlich etwas erfahren, das Sie nie für möglich gehalten hätten. Oder doch im tiefsten Innern geahnt haben? Manche Geheimnisse haben Sprengkraft, sie können Beziehungen zerstören, weil sie das zerstören, was Beziehungen zugrunde liegt: Vertrauen.
Wie groß ein Geheimnis ist, hängt vor allem davon ab, wie sehr es uns belastet, wie häufig unsere Gedanken um das Verborgene kreisen. Was es bedeutet, wenn ein Familiengeheimnis gelüftet wird und das eigene Leben auf den Kopf stellt, hat Heike Le Ker in ihrer Geschichte eines Mannes nachgezeichnet, der eher zufällig einen DNA-Test machte und nun zwei Väter hat .
Was bedeutet das für Partnerschaften? Dürfen wir jede Frage stellen und müssen auch jede beantworten? Markus Deggerich will heute, wie er berichtet, nicht mehr alles genau wissen . Denn es hat Konsequenzen, wenn man ein Geheimnis lüftet: Die Schriftstellerinnen Ronja von Rönne, Kathrin Weßling und unser Autor Benjamin Maack haben ihre Depressionen öffentlich gemacht. Sie sprechen darüber, wie sie damit leben, dass nun jeder über ihre Krankheit Bescheid weiß .
Im Privatleben ist es oft einfacher, einem Fremden etwas zu erzählen als der Familie oder Freunden. Denn oft ist es die Scham, die etwas zum Geheimnis werden lässt. Dass gerade das Lebensende eine Zeit der Offenbarung ist, hat Sandra Schulz im Gespräch mit zwei Sterbebegleiterinnen erfahren. Von ihnen hat sie gelernt, dass man manches besser nicht aufschiebt – weil es sonst zu spät sein kann .
Wer seine Ziele nicht offenbaren, aber trotzdem durchsetzen will, greift in der Kommunikation gern zu manipulativen Mitteln, im Job wie in der Partnerschaft. Da ist es hilfreich, diese Methoden zu kennen, beispielsweise die »Armes Schwein«-Strategie .
Sich selbst treu zu bleiben, statt immer nur den Erwartungen anderer zu genügen, das fühlt sich gut an. Leicht aber ist es nicht.
Also, kommen Sie dem Geheimnis auf die Spur!
Neustart: Seinen biologischen Vater Karl (l.) besuchte Ingo Stiefler mit Redakteurin Heike Le Ker
Foto:Philipp von Ditfurth / DER SPIEGEL