Einsamkeit: Vor allem junge Erwachsene sind betroffen - DER SPIEGEL
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Erhebung des Statistischen Bundesamts Junge Erwachsene fühlen sich am einsamsten

Einsamkeit galt lange als Problem alter Männer. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamts zeigt jetzt: Vor allem junge Menschen und Frauen sind betroffen.
Teenager allein auf einer Bank: Chronische Einsamkeit erhöht dauerhaft den Spiegel des Stresshormons Cortisol
Teenager allein auf einer Bank: Chronische Einsamkeit erhöht dauerhaft den Spiegel des Stresshormons Cortisol

Teenager allein auf einer Bank: Chronische Einsamkeit erhöht dauerhaft den Spiegel des Stresshormons Cortisol

Foto: Oliver Rossi / Digital Vision / Getty Images

Jede sechste Person ab zehn Jahren gibt an, sich oft einsam zu fühlen, das entspricht knapp 12,2 Millionen Menschen in Deutschland. Dabei sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren am stärksten betroffen. Fast jeder Vierte in diesem Alter leidet oft unter Einsamkeit.

Das sind Ergebnisse der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2022, die heute vorgestellt wurden. Eine solche Untersuchung wurde zuletzt 2012/2013 durchgeführt, das Thema Einsamkeit wurde dabei jetzt jedoch zum ersten Mal abgefragt.

Chronische Einsamkeit erhöht dauerhaft den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Blut und fördert damit das Risiko, an Bluthochdruck, Schlafstörungen, Herzinfarkten, Schlaganfällen, Krebs oder Demenz zu erkranken, erheblich. Menschen ohne soziale Kontakte achten zudem weniger auf sich selbst. Eine Studie ergab: Menschen mit einem funktionierenden Freundeskreis haben ein bis zu 50 Prozent niedrigeres Sterberisiko.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der aktuellen Zeitverwendungserhebung ist zu beachten, dass die Zeitverwendungserhebung im gesamten Jahr 2022 stattfand, als zu Jahresbeginn noch einige Coronabeschränkungen bestanden. Soziale Kontakte, gemeinsames Erleben und Feiern, neue Leute kennenlernen – vieles, was gerade jüngeren Menschen wichtig ist, war 2022 noch nicht vollständig in der sonst üblichen Form möglich.

Am wenigsten ausgeprägt ist das Gefühl der Einsamkeit nach den Ergebnissen der Zeitverwendungserhebung bei Menschen ab 65 Jahren. In dieser Gruppe fühlt sich nur jeder Zehnte oft einsam.

Frauen sind tendenziell einsamer als Männer. 18 Prozent der Frauen geben an, sich oft einsam zu fühlen, während es bei den Männern nur rund 15 Prozent sind. Am wenigsten einsam fühlen sich Männer ab 65 Jahren mit rund acht Prozent. Möglicherweise neigen Männer allerdings eher dazu, ihre empfundene Einsamkeit zu bagatellisieren.

vh, Statistisches Bundesamt