Eisenbahner Proteste gegen "Schrumpfbahn"
Berlin - Norbert Hansen, Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft GdED, verlangte vor Bahnbediensteten aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Rücknahme der Sanierungspläne. Andernfalls werde die GdED nicht davor zurückschrecken, "weitere Protestaktionen bis hin zum Streik zu organisieren".
Nach den bisherigen Plänen will die Bahn, so Hansen, bei den Personalkosten pro Jahr drei Milliarden Mark einsparen. Bis zu 70.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut, zahlreiche Verkaufsstellen geschlossen werden.
Bahnchef Hartmut Mehdorn verteidigte den Sanierungskurs. Er sagte, wenn die wirtschaftliche Wende nicht noch in diesem Jahr gelinge, sei die Bahn verloren. Es drohe "die Zerlegung der Bahn".
Nun müsse gemeinsam ausgelotet werden, welche Möglichkeiten es gebe, um im Personalbereich Kosten einzusparen. Eine Anpassung von Gehältern auf ein branchenübliches Niveau, weniger Neueinstellungen oder kürzere Arbeitszeiten bei entsprechenden Lohneinbußen dürften keine Tabu-Themen sein. Je mehr die Konzernspitze und die Gewerkschaften aufeinander zu gingen, desto mehr Arbeitsplätze könnten gesichert werden, erklärte Mehdorn.
Dagegen betonte GdED-Chef Hansen, die Opferbereitschaft der Eisenbahner sei erschöpft. Für das 170-Millionen-Mark-Loch machte er "Missmanagement und falsche Weichenstellungen in der Unternehmens- und Verkehrspolitik" verantwortlich.
Dem Vorhaben des Bahn-Vorstandes, das Unternehmen bis 2004 börsenfähig zu machen, widersprach Hansen energisch. Verkehrs- und unternehmenspolitisch sei dies völlig falsch. Die dafür vom Vorstand vorgesehenen Einsparungen mit einem Volumen von 3,6 Milliarden Mark pro Jahr bewertete der Gewerkschaftschef als "Kampfansage".
Die geplanten Kürzungen führten zum Abbau wenig rentabler Verbindungen, was gleichzeitig die Marktanteile weiter senke: "Dieser Sanierungswahn führt zwangsläufig zur Schrumpfbahn." Die Politik müsse entscheiden, ob die Bahn eine leistungsfähige Verkehrsalternative bleiben solle oder ein "Nischenprodukt für Erste-Klasse-Reisende".
Die Eisenbahner wollen nach GdED-Angaben am Mittwoch in Hamburg weiter protestieren. Die bundesweiten Aktionen sollen bis zum geplanten Spitzengespräch am 24. März in Frankfurt fortgesetzt werden.