Expo-Kritik Bier, Boule, Belgien
Den unumstrittenen Höhepunkt erleben Besucher des belgischen Expo-Pavillons gleich zu Beginn: Wer die eher langweilige Stahlkonstruktion betritt, sich gleich nach der Eingangstür rechts hält und noch einmal rechts abbiegt, landet in einem runden, abgedunkelten Raum.
Auf dem sich zur Mitte hin vertiefenden Boden sind Lampen eingelassen, die aus dem Fußboden einen kleinen Sternenhimmel machen. An die Wand ist ringsum eine Landschaft gepinselt, aus der die Wahrzeichen der belgischen Nachbarländer auftauchen: der Pariser Eiffelturm, Londons Big Ben oder der Kölner Dom. Davor stehen, mit dem Rücken zum Besucher, jede Menge Menschen der unterschiedlichsten Hautfarbe, Schichten oder Berufe - als Pappmodelle. Doch das merkt der Betrachter erst bei genauerem Hinschauen.
Von Zeit zu Zeit fangen die Pappbelgier an, miteinander zu sprechen, unterhalten sich über die Landschaft, sprechen über ihre Bankgeschäfte in Luxemburg oder brüllen ins Handy: "Verkaufen, verkaufen." Die Besucher sind überrascht, verblüfft, oft auch amüsiert. Viele versuchen, durch die künstliche Menschenmenge hindurch einen Blick auf die Landschaft zu erhaschen.
Was der Belgier Francois Schuiten, der auch den Expo-Themenpark "Planet of Visions" gestaltet hat, mit seiner Installation ausdrücken will, wird ohne viele Worte klar: Belgien, ein multikulturelles Land, liegt im Herzen Europas und ist nach allen Seiten hin offen. Selten gelingt es auf der Expo, eine Botschaft mit solch einfachen Mitteln auf solch eindrucksvolle Weise zu vermitteln.
Der Rest des belgischen Pavillons kann da leider nicht mithalten. Im Herzen des Gebäudes befindet sich ein kleines, kreisrundes Foyer, an dessen Wänden unzählige Menge Gegenstände montiert sind: Billard, Beer, Boule und all das, was der Betrachter sonst noch mit Belgien in Verbindung bringen könnte. Die Aufmachung ist hübsch, die ausgestellten Dinge dagegen nicht sehr spannend.
Vom Foyer geht es zu den Selbstdarstellungen der einzelnen Landesteile. Und die sind so unterschiedlich wie das Land an sich. So präsentiert sich die deutschsprachige Gemeinschaft mit einem kleinen Kuriositätenkabinett, über dem eine große Sanduhr schwebt.
Wallonien dagegen hat einen deutlich größeren Raum besetzt. Darin flimmern über große, an Säulen montierte Bildschirmen Filme aus den Bereichen Kunst, Natur oder Sport. An Multimediaterminals können sich Besucher über die Region informieren. Für die unausweichliche musikalische Untermalung sorgen flatternde Vögel und lärmende Autos aus unzähligen Lautsprechern.
Auch die Region Flandern hat, so scheint es, nicht viel Energie und Kreativität in ihre Präsentation gesteckt. Ein altmodischen Kinderkarussell dreht ziemlich verlassen seine Runden. Daneben können sich Besucher auf Fahrradsatteln niederlassen und werbetaugliche Bilder vom modernen Flandern bestaunen.
Statt auf prickelnde Ausstellungsstücke setzen die Macher der belgischen Präsentation lieber auf anregende Getränke: Freibier für Expo-Gäste lautet, zumindest in den ersten Wochen der Weltausstellung, die Devise - auch wenn das nicht unbedingt an die große Glocke gehängt wird. Eher unscheinbar ist auf einem kleinen Zettel an der belgischen Bar vermerkt: "Das Bier ist noch immer kostenlos."
Bewertung:
Note: 3-
Prädikat: viele Schwächen, wenig Stärken
Verweildauer: 20 Minuten
Erholungswert: nettes "Belgian Beer Café" im ersten Stock des Pavillon, das einen eigenen Charme entfalten kann
Alexander Stirn