Expo-Kritik Bonjour finesse
Der Besuch im französischen Pavillon beginnt gemählich, um nicht zu sagen unspektakulär: Schlangenartig windet sich der Weg vorbei an historischen Filmaufnahmen und handbetriebenen Kameras. Der Blick fällt auf Monitore mit vorbeiruckelnden Eisenbahnzügen aus dem 19. Jahrhundert und auf Etienne-Jules Mareys Trommelrevolver. Mit dem hat der Pionier des Kinos, lange bevor die Bilder tatsächlich laufen lernten, Bewegungen in einzelne Bilder zerlegt.
Der Fotograf, Mediziner und Erfinder muss die Franzosen so sehr beeindruckt haben, dass sie auch gleich die Außenwand ihrer ansonsten trostlosen Lagerhalle mit seiner Bildsequenz "Der gehende Mensch" verziert haben. Das passt, steht der französische Expo-Beitrag doch unter dem Motto "Bewegung". Und die zieht sich, wie die Gitterroste, auf denen sich die Besucher bewegen, durch die gesamte Ausstellung. Durchaus stimmig, durchaus überzeugend.
Hat der Besucher den eher historischen Marey-Teil hinter sich gelassen, blickt er auf eine große Leinwand, auf der sich ein aus dem Weltraum aufgenommener Erdball dreht. Modelle von Satelliten und der Internationalen Raumstation runden das zukünftige Bild ab.
Auf Tafeln und Bildschirmen werden die Ausstellungsstücke vorbildlich erklärt, werden weitergehende Informationen, zum Beispiel zu den bislang fünf französischen Astronautinnen und Astronauten gegeben. Lichteffekte und ein Gebläse, das die Besucher von unten durch die Gitterroste mit heißer Luft versorgt, machen den Aufenthalt im französischen Pavillon beinahe schon zum sinnlichen Erlebnis.
Das wird im weiteren Verlauf der Präsentation noch verstärkt: Im Teil, der die Entstehung und Zusammensetzung der Erde erklären soll, erwartet den Expo-Touristen nicht nur ein originelles Modell eines Vulkangebiets, sondern auch rotes Licht, Wärmestrahler und Plätschern aus dem Lautsprecher.
"Die Landschaft in Bewegung" ist der nächste Abschnitt überschrieben, und der wirkt - aufgrund der beinahen Beliebigkeit der ausgewählten Ausstellungsstücke - fast schon etwas konzeptlos. Links ein Prellbock, rechts ein Metroschild, dazwischen ein klimatischer Windkanal. Dazu flimmert ein Werbefilm über die Leinwand, der Frankreich von seiner schönsten Seite zeigt. Faszinierend dagegen: ein kleiner Sandkasten, aus dem mittels Druckluft Blasen aufsteigen, in dem sich kleiner Krater bilden und neue Landschaften entstehen - fast schon, als ob es sich dabei um echte heiße Quellen handeln würde. Der leicht schwefelhaltige Geruch wird gratis dazu geliefert.
Von der Mode über Glasaugen bis hin zum zweibeinigen Roboter führt der nächste Teil der Ausstellung. Überschrieben mit "Der Körper in Bewegung" wandelt der Besucher durch einen Tunnel, dessen Decke stimmungsvoll mit roten Tüchern abgehängt ist. Eine "Raupe" wollen die Schöpfer des Pavillons auf diese Weise symbolisieren. Das wird nicht klar, macht aber auch nichts - die Aufbereitung der Ausstellungsstücke ist edel genug.
Schön in Szene gesetzt haben die Franzosen auch den letzten und schwächsten Teil ihrer Präsentation. In einer großen Halle werden alle Arten von Transportmitteln gezeigt, im Original oder als Modell. Das reicht vom Ultraleichtflugzeug bis zum Airbus A3XX, vom Laufschuh bis zum Papierboot und vom TGV bis zum neuesten Cabrio von Peugeot.
Das war's - noch nicht ganz: Denn nach dem faszinierenden Gang durch die "bewegte" Ausstellung landet der Besucher notgedrungen im kommerziellen Teil des Pavillons. Dort gibt es neben einer müden Ausstellung der Sponsoren ein Restaurant sowie den obligatorischen Souvenirshop. Und so endet die Visite im französischen Pavillon leider wie sie mit dem ersten Blick aufs Gebäude begann: eher langweilig.
Bewertung:
Note: 2
Prädikat: sinnlich
Verweildauer: gut 30 Minuten
Erholungswert: ein Fest für die Augen, eine Qual für die Füße
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