Expo-Kritik: Ein Chinese auf dem Mond - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Ein Chinese auf dem Mond

Der chinesische Pavillon kann als futuristisch gelten - wenn man die geschmacklichen Maßstäbe der achtziger Jahre anlegt. Auch inhaltlich vermag das Reich der Mitte nicht zu überzeugen. Sein Expo-Beitrag bewegt sich zwischen traditioneller Medizin, Weltraumphantasien und propagandistischen Untertönen.
Von Petra Nölkensmeier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Charme eines Fernsehturm-Restaurants hat die Plattform, welche sich langsam um die kleine Illustration chinesischer Wunschträume dreht: An den Wänden Planeten, in der Mitte ein Astronaut, der das rote Banner der Volksrepublik in den Mond steckt. Das hätten sie wohl gern, murmelt ein Besucher und wendet sich ab. Zu näherer Betrachtung locken im chinesischen Pavillon nur wenige Ausstellungsstücke.

Bereits der Eingang lässt zu wünschen übrig - es sei denn, man ist ein ausgesprochener Monitor-Fan. Nach all den flimmernden Oberflächen in anderen Pavillons erwartet China seine Gäste mit hunderten übereinander gestellten Bildschirmen, die eine Art Tor bilden. Es wird flankiert von Pagoden-Nachbildungen, die dem Plastikzeitalter offensichtlich näher stehen als traditioneller chinesischer Baukunst.

Durch das Tor steigt der Besucher in den oberen Bereich der Präsentation, der mit seinen spacigen Farbtönen wohl so etwas wie Modernität suggerieren soll. Ab und an leuchten Platten des gläsernen Bodenbelages auf, Neonleuchten in Form von Schlangenlinien spenden ein unterkühltes Licht. Allein die Touchscreen-Monitore laden zu einer kleinen Pause ein: An ihnen kann man sitzen, nach Geographie und Bevölkerungsstruktur Chinas forschen.

Aufregendes verspricht der nächste Abschnitt: "Bitte aufpassen. Sie treten in den Zeit-Raum-Tunnel ein." Leider sieht die rote Laufschrift ein wenig wie die Zeitanzeige in U-Bahn-Stationen aus, der folgende Gang hat was vom Eingangsbereich einer Disco - an der rechten Wand Spiegel, an der linken Wand geben blinkende Pfeile in Pink, Grün und Weiß den Weg vor. Am Ende wartet ein Weltraum-Szenario, das selbst hartgesottene Fans des Außerirdischen kaum vom Hocker reißen kann.

Als einzige Attraktion erweist sich nur die so genannte "Space Weighing Machine". Das Erdgewicht mag noch Entsetzen hervorrufen. Doch spätestens wenn der Mond-Button betätigt ist, verliert die Gewichtsmessung seinen Schrecken. Aus 81 Kilogramm werden so ohne Mühe mal eben magere 13.

Es folgt eine Präsentation chinesischer Umweltbemühungen. Zu den Exponaten gehört ausgerechnet ein Modell des umstrittenen Drei-Schluchten-Staudammes. Der soll zwar den Ausstoß von Kohlendioxid verringern helfen. Andererseits werden aber zahlreiche Städte überflutet und mindestens 1,2 Millionen Menschen umgesiedelt werden müssen - ob das in Einklang mit dem Expo-Motto "Mensch - Natur - Technik" steht?

Der Rest des Angebots ist schnell erklärt: Die ausführliche Darstellung traditioneller chinesischer Medizin könnte darauf zurückgehen, dass einer der Nachnutzer des Pavillons eine Privatklinik für eben jene traditionelle Medizin sein wird. Die gewerbliche Nachnutzung begründet die überaus zweckorientierte Bauweise des nur mit einer Fotoplane geschmückten Pavillons.

Als regelrechtes Ärgernis entpuppt sich schließlich der Film, der in einem 360-Grad-Kino vorgeführt wird. Mögen die Bilder auch schön sein, die textlichen Botschaften hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Dass alle Religionen und Nationalitäten in China harmonisch miteinander leben, würden Tibeter wohl nicht so ohne Weiteres unterschreiben. Und wenn dann von der baldigen Wiedervereinigung mit Taiwan die Rede ist, wird die Grenze zur politischen Propaganda endgültig überschritten.

Bewertung:

Note: 4-5

Prädikat: möchtegern-modern

Verweildauer: 30 Minuten

Erholungswert: Rein optisch kein Schmuckstück, aber doch Gelegenheit zum Ausruhen und Essen bietet das chinesische Restaurant.


Auf einen Blick: Von A bis Z: Die Expo-Teilnehmer

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