Expo-Kritik Kanadische Multisensorik
Die Größe des Pavillons ist der weiten Fläche Kanadas angemessen: Auf 7500 Quadratmetern präsentieren sich die Nordamerikaner in einer bunt verzierten Halle am "Platz der Jugend", gleich neben jener riesigen braunen Plastik, die Expo-Angestellte unter sich nur noch liebevoll den "Sch...haufen" nennen.
Von solchen künstlerischen Entgleisungen ist in der Kanada-Halle nichts zu sehen. Das Thema der Expo, "Mensch, Natur, Technik" wurde konsequent und mit modernsten Mitteln umgesetzt. Der Pavillon teilt sich in drei Sektoren, von denen jeder einer Themenbereich behandelt.
Der Rundgang beginnt mit einem "virtuellen Fluss", einem gewundenen Gang, an dessen Wänden die reichhaltige Natur und das kulturelle Erbe Kanadas grafisch, multimedial und mit einzelnen Skulpturen und Objekten dargestellt wird. Auf gigantische Stümpfe von Mammutbäumen trifft man dort ebenso wie auf Totemfiguren nordamerikanischer Ureinwohner, während man über grafisch animierte Bodenfliesen wandelt. Beeindruckend ist vor allem die schiere Farbvielfalt, mit der das breite Spektrum der Natur wiedergegeben werden soll. Die geschickte Ausleuchtung der aufwendig gestalteten Installation bewirkt zudem eine angenehme Atmosphäre. Hier wurde mit wenigen Mitteln viel erreicht.
Nächste Station ist ein großes, rundes Filmtheater mit einer riesigen, ebenfalls runden Projektionsfläche an der Decke, die von vielen kleineren umrandet ist. Die mehrere Minuten dauernde, laut Broschüre "multisensorische" Show besteht darin, dass Filmfragmente und Impressionen aus dem kanadischen Lebensalltag auf die verschiedenen Flächen geworfen werden. Dazu sprudelt zu gegebener Zeit in der manegenartigen Mitte des Rundkinos eine Wasser-Fontäne, die mehrfarbig ausgeleuchtet wird. Da das gezeigte Filmmaterial jedoch eher kryptisch und zusammenhanglos erscheint und der ständige Blick nach oben schnell unbequem wird, bleibt einem der "multisensorische" Charakter der Darbietung leider verschlossen.
Im dritten Sektor lockt ein offenes "Cyber-Café" mit überdimensionierten Gesichter-Grafiken an der Wand und zahlreichen Computerterminals, an denen man sich über die kanadische Kultur informieren kann. Da in diesem Bereich ganz offensichtlich Technik und wirtschaftliche Errungenschaften im Vordergrund stehen, setzen sich hier vorwiegend die zahlreichen Sponsoren des Pavillons, sowie die kanadische Tourismusindustrie mit zahlreichen Ständen und Terminals effektvoll in Szene. Wie eng amerikanische und kanadische Mentalität miteinander verknüpft sind, merkt man zudem an der opulenten Größe des Souvenirstandes, der ein wenig an "Gift-Shops" an Flughäfen erinnert.
Interessant an diesem Bereich des Pavillons ist allerdings die "Waffenskulptur", ein ebenso klobiges wie faszinierendes Kunstwerk aus zu einem Schrottwürfel zusammen gepressten Schusswaffen, mit dessen Exposition die Kanadier zu mehr Nächstenliebe und Menschlichkeit aufrufen wollen. Das kanadische Ahornblatt dient auf der Expo als Symbol für Harmonie und Frieden im Einklang mit Wissenschaft und Technik. Ein befriedigendes Erlebnis.
Bewertung:
Note: 2
Prädikat: sendungsbewusst und zukunftsorientiert
Verweildauer: 30 Minuten
Erholungswert: Auf den gepolsterten Bänken im Rundkino kann man sich bei angemessener Dunkelheit niederlassen und entspannen, bevor die Show beginnt.