Expo-Kritik: Monaco - was sonst? - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Monaco - was sonst?

Wer in Monaco lebt, macht aus seinem Reichtum normalerweise keinen Hehl. Auch auf der Expo sieht das nicht anders aus: Der selbstverliebte monegassische Pavillon erfüllt so gut wie alle Klischees, die vom kleinen Fürstentum kursieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Monaco, das Land der Reichen und Schönen, das Steuerparadies am Mittelmeer, die Heimat der Grimaldis: Eigentlich müsste das kleine Fürstentum ja gar nicht groß die Werbetrommel in eigener Sache rühren - die Promis kommen von allein, wer es sich leisten kann, plündert die Urlaubskasse, und der Rest schaut sehnsüchtig Formel 1.

Von daher könnten sich die Monegassen in Ruhe, gemäß dem Expo-Motto "Mensch - Natur - Technik", neuen Lebensentwürfen widmen oder Wege in die Zukunft aufzeigen. Machen sie aber nicht. Die Selbstdarstellung ist dem kleinen Staat offenbar wichtiger als die Zukunft der Menschheit.

Das fängt schon bei Äußerlichkeiten an: Eine Schönheit ist der weiße, mit viel Glas verzierte Pavillon nicht unbedingt. Muss er auch nicht, erfüllt er doch einen viel wichtigeren Zweck: Um den würfelförmigen Bau herum, haben die Monegassen einen kleinen Tümpel angelegt, in dem Segelboote und zwei ausgewachsene Yachten verankert wurden.

Auf den Luxus-Booten, abgesperrt und als VIP-Bereich deklariert, sonnen sich demonstrativ blonde Frauen und braun gebrannte Männer. Der gemeine Expo-Besucher staunt, wirft einen sehnsuchtsvollen Blick auf das Unerreichbare und trottet weiter. So geht es anscheinend zu in Monaco: Man zeigt gern, was man hat, hält aber Distanz. Falls das Fürstentum mit seinem Expo-Auftritt, der "Mythen und Wahrheiten des kleinen Landes enthüllen" soll, diese Botschaft vermitteln wollte, es ist gelungen.

Wer sich als Expo-Tourist einer etwa 20-minütigen Führung anschließt, was nur eingeschränkt zu empfehlen ist, beginnt den Rundgang in einem dunklen, schwülen Raum. Auf geschwungenen Leinwänden, die über den gesamten Saal verteilt sind, soll der Besucher erste Eindrücke von einem "souveränen, modernen Land" bekommen. Die Gäste werden allerdings so schnell hindurch geschleust, dass für wirkliche Eindrücke gar keine Zeit bleibt.

An Porträts der Grimaldidynastie vorbei führt der Weg ein Stockwerk höher - in ein "360-Grad-Kino". Auf vier großen Leinwänden entfaltet sich ein allzu glattes Bild des heutigen Fürstentums. Schnelle Kamerafahrten, beeindruckende Luftbilder und effektvoll flatternde Vögel zeugen zumindest von der handwerklichen Qualität des Films.

Inhaltlich kommt außer schönen Menschen, schönen Gebäuden und schönen Landschaften allerdings wenig 'rüber. Einziger Höhepunkt: eine Fahrt im Formel-1-Tempo durch die engen Straßen Monacos - betrachtet aus der Stoßstangenperspektive.

Den letzten und eindeutig besten Punkt der Monaco-Präsentation stellt ein 3D-Kino dar. Ausgestattet mit einer pinkfarbenen Brille - Elton John hätte seine wahre Freude daran - können Besucher in die Unterwasserwelt Monacos abtauchen. Was spannend klingt, ist eine technisch perfekte aber ansonsten etwas dröge Abhandlung über Plankton und die Nahrungskette in den Weltmeeren. Doch eines muss man den Monegassen lassen: Die Delfine scheinen, dank ausgefeilter 3D-Technik, wirklich mitten im Raum zu schwimmen.

Wieder an der frischen Luft, stößt der Gast auf den vielleicht größten Trumpf der Monegassen: ein herrliche gelegenes Café. Beim Blick auf grünlich-blaues Wasser, große Yachten und schöne Menschen kann sich der genervte Expo-Besucher wunderbar ans Mittelmeer träumen. Die aufwendige Monaco-Präsentation muss er dazu allerdings nicht mitmachen: Zur Café-Terrasse geht es schneller und weniger ermüdend über eine simple Außentreppe.

Bewertung:
Note: 4-
Prädikat: aufgeblasen
Verweildauer: (mit Führung) 30 Minuten
Erholungswert: Im Café oder am Ufer des Teichs lässt sich prima entspannen.

Alexander Stirn


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