Expo-Kritik Sahelzone - die Wüste erleben
Unter dem Namen "CILSS" gastieren Burkina Faso, Gambia, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal und der Tschad in der Afrikahalle der Weltausstellung. CILSS, das steht für "Zwischenstaatliche Gemeinschaft zum Kampf gegen die Trockenheit der Sahelzone" - ein Bündnis, zu dem sich die neun Staaten 1973 zusammengeschlossen haben. Jetzt üben sie auch auf der Expo den Schulterschluss. Doch nicht jedes Land ist einen Besuch wert.
Wer den Gemeinschaftsstand betritt, fühlt sich in die Wüste versetzt. Unter den Füßen gibt der dicke goldgelbe Teppich leicht nach. Außerdem ist Orientierungsfähigkeit gefragt. Denn in der vielfältigen Ausstellung können sich Besucher leicht verirren.
Ein bisschen versteckt bildet Guinea-Bissau einen der Außenposten. Auch wenn die Ausstellung des Landes nicht sofort zu sehen ist - dank lauter Musik ist sie nicht zu überhören. Aufmerksamkeit erregen auch Naturheilmittel: Beispielhaft liegen einige der Pflanzen getrocknet aus, gleich daneben ist die Wirkung der Blätter beschrieben. Ein Expobesucher wollte sich von der Wirksamkeit offensichtlich selbst überzeugen: Das pflanzliche Potenzmittel fehlt bereits.
Der Senegal bietet Musik aus der Konserve. Wer seinen Kopf in knallbunte überdimensionalen Dosen steckt, wird mit afrikanischen Klängen vollgedröhnt. In erster Linie geht es den Machern des Standes aber darum, Faltblätter an potenzielle Touristen zu bringen. Trotz des netten Einfalls mit den Musiktonnen, kann das Konzept Auftritt nicht überzeugen.
Spannender ist es da schon beim Stand von Kap Verde. Eines merkt der Besucher dort rasch: Bei den Kapverdiern kann man rasch untergehen. Das Land präsentiert sich vor allem mit den Schätzen versunkener Schiffe aus aller Herren Länder.
Der Tschad stellt sich mit traditionellen Haushaltsgeräten und Kochstellen dar. Zudem wird der Aspekt "Frauen und Umwelt" auf einer Schautafel thematisiert. Burkina Faso macht mit landestypischem Bronzehandwerk auf sich aufmerksam. Die Landesinformationen flimmern aber leider nur auf Französisch über den Bildschirm.
Ein wenig Zeit sollten Besucher der Afrikahalle für den Expo-Auftritt Malis einräumen: Rund um den "Geräuschbrunnen" ist immer etwas los. Wer dort am Rad dreht, bekommt Töne zu hören. Eine Aktion, die - wie der Andrang beweist - vielen Gästen offensichtlich Spaß macht.
Informiert wird auch über Projekte zum Schutz des Klimas. Ein Blick ist auch die Bozo-Piroge wert - ein Transportschiff, das die Symbiose von Tradition und Moderne symbolisieren soll. Sie ist mit Monitoren und traditionellen Vorratsbehältern beladen.
Gambia wiederum hat es geschafft, das Expo-Thema "Mensch - Natur - Technik" in einem einzigen Haus zu verwirklichen. Ein Modell der urig aussehenden Hütte ist zu sehen, eine Schautafel erläutert Einzelheiten.
Der Niger stellt das ehrgeizige Projekt des Solardorfes "Mai Jirgui" vor. Der Ort, der allein durch Sonnenergie mit Strom versorgt wird, hat immerhin 3500 Einwohner und könnte beispielhaft für die ganze Region sein.
In Mauretanien haben die Besucher schließlich Gelegenheit, sich ein wenig zu erholen. Gleich neben dem lebensgroßen Kamelmodell gibt es ein Zelt in dem Gäste auf Sofas Zeit zum Ausruhen finden und mit zuckersüßem Tee bewirtet werden - gegen Bezahlung versteht sich.
Die einzelnen CILSS-Staaten kommen trotz teilweise interessanter Facetten eher langweilig daher. Gemeinsam aber ergänzen sich die Angebote perfekt, so dass Afrikafreunde dem Gemeinschaftswerk auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollten.
Bewertung:
Note: 3-4
Prädikat: durchwachsen
Verweildauer: 30 bis 40 Minuten (für alle Präsentationen)
Erholungswert: Allein bei Mauretanien finden sich ein paar Sitzgelegenheiten
Thorsten Pifan
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