Expo-Kritik: Schwedisches Allerlei - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Schwedisches Allerlei

Schwedens Expo-Schaufenster kann mit einigen interessanten und amüsanten Exponaten aufwarten. Warum die skurrilen Gegenstände aber ausgerechnet das skandinavische Land repräsentieren sollen, bleibt rätselhaft.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Besonders attraktiv ist die Architektur des schwedischen Pavillons nicht. Eher funktional - genau so, wie es die Deutschen von vielen schwedischen Möbeln her kennen. Einzig die giftgrünen Büschel aus Plastikgrashalmen, die im Wassergraben motorbetrieben ins nasse Element platschen, lockern das Bild etwas auf.

Ein großes Schaufenster soll der Pavillon sein, verraten die Schöpfer des kantigen Klotzes. Ein Schaufenster, das "Ein- und Ausblicke gewährt", das von "permanentem Dialog zeugt". Und eines kann man dem Gebäude mit seiner großen Glasfront wirklich nicht vorwerfen: dass es Schweden nicht ins rechte Licht setzt. Sonne, Glas und helles Holz machen den Aufenthalt in der Ausstellungshalle zu einem Vergnügen.

Was man von den Ausstellungsstücken nicht unbedingt sagen kann: Wer den schwedischen Pavillon betritt, könnte denken, er befinde sich in der Werkstatt eines skurrilen Erfinders. Hier ein Apparat, der aus rostigen Metallteilen, Plexiglas und etwas Elektronik zusammengesetzt ist. Dort ein grüner, mit Pflanzen umschlungener Luftballon, der sich immer wieder aufbläst, um gleich darauf wieder Luft zu verlieren. Und hinten im Eck ein hölzerner Unterstand, in dem Wolkenbrüche und Vogelzwitschern zu hören sind.

Gewiss: Die einzelnen Exponate sind interessant, regen zum Schmunzeln und manchmal auch zum Nachdenken an. Doch die Choreografie und Motivation, die hinter den Ausstellungsstücken stecken soll, bleibt unklar. Erkennbar wird sie höchstens für den, der sich intensiver und vor allem länger mit dem Pavillon befasst.

Eine "Brücke der Erkenntnis" soll der schwedische Expo-Beitrag sein, behaupten zumindest dessen Organisatoren. Eine "lebendige Brücke" zwischen den beiden Polen Natur und Technik, die jeweils an den gegenüberliegenden Wänden des Pavillons dargestellt sind.

Auch für das (beinahe beliebig wirkende) Allerlei, das auf dem hellen Holzfußboden präsentiert wird, haben die Schweden eine marketinggerechte Bezeichnung gefunden: Das sei ein "Querschnitt jener Bereiche, in denen Schweden heute oft mit zu den federführenden Nationen gehört".

Symptomatisch für die Schwachpunkte des schwedischen Beitrags steht Göteborg: Die Stadt will mit einer eigenen Präsentation im hinteren Teil des Pavillons für sich werben. Dort können - durch korrekte Umrechnung von Zahlen aus dem Dual- ins Dezimalsystem - Modelleisenbahnen zum Laufen gebracht werden, können "Virusbälle" zielgenau geworfen werden, so dass ein Lachen oder ein Niesen ertönt, oder können "Töne aus Göteborg" an herumhängenden Handys studiert werden. Nett, verspielt, harmlos, belanglos.

Deutlich besser, wenn auch ebenso zusammenhangslos, sind da schon einige Teile in der großen Ausstellungshalle: Der Bereich "Children and Design" beweist, dass sich ein großer schwedischer Möbelhersteller, der direkt daneben seine Postkarten verteilt, keine Sorgen um den Nachwuchs machen muss. Der durchschnittliche Schwede und die durchschnittliche Schwedin, aufgebaut mittels Schnittbildern aus einem Computertomografen, bringt so manchem Besucher zum Innehalten. Und ein Duell, bei dem allein durch Senkung der eigenen Gehirnaktivitäten eine Kugel über ein Spielfeld bewegt werden muss, ist der absolute Favorit bei den jüngeren Besuchern.

Die Schweden können es also. Wenn sie nur die Kreativität und Energie, die in einzelne Exponate investiert wurden, auch in die Konzeption der gesamten Präsentation gesteckt hätten, der schwedische Expo-Beitrag könnte sich wirklich sehen lassen.

Bewertung:
Note: 3
Prädikat: unstrukturiert
Verweildauer: 20 Minuten
Erholungswert: gut klimatisiertes Kino mit Sitzmöglichkeiten und einem beruhigenden, um nicht zu sagen langweiligen, Film


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