Expo-Kritik "Selam" heißt "Hallo"
Hannover - Der Handschlag zwischen zwei wichtigen Personen gehörte schon seit langem zum Standardrepertoire politischer Symbolik.
Gleich viermal Hand in Hand mit diversen Göttern ließ sich der anatolische König Antiochos darstellen, der türkisches Gebiet in vorchristlicher Zeit regierte. Die Tuchfühlung mit überirdischen Herrschern kann jedoch auch anders interpretiert werden: "als Verbindung des Menschen mit der Natur und als Begegnung des Westens mit dem Osten".
"Verbindung", "Begegnung" - sie gehören zu den Schlüsselbegriffen im türkischen Pavillon. Schon der Eintritt über eine lange Brücke ist Programm.
Denn in seinem EXPO-Auftritt betont das Land seinen Brückenschlag zwischen den Kontinenten. Licht und offen ist der Bau, der vor allem aus Glas und aus Holz besteht.
Wer Schlange stehen muss, kann so wenigstens schon einen Blick ins Innere werfen. Mit der Begrüßung ("Selam") als festem Bestandteil des Konzepts beginnt der Aufenthalt im Pavillon.
Die Türkei hält viel auf ihre Gastfreundschaft, und so begrüßen und erklären freundlich lächelnde Damen immer wieder von Neuem und ohne jede Spur von Überdruss.
Da ist zunächst die so genannte Kosmoskugel, in der eine außergewöhnliche Konstellation von Himmelskörpern nachgebildet wird: Das Sternbild Löwe, die Mondsichel und die Planeten Jupiter, Merkur und Mars.
Mag dies Nichteingeweihten auch wenig spektakulär erscheinen, der erwähnte König Antiochos glaubte in der astronomischen Erscheinung sogar ein göttliches Zeichen zu erkennen.
Wer genau der allgemein wohl weniger bekannte König war, erfährt der Besucher übrigens nicht. In einem virtuellen Gang durch den heiligen Berg Nemrud ersteht immerhin ein von ihm erbautes Heiligtum neu. Was dort genau angebetet wurde, bleibt aber ebenfalls im Dunkeln.
Überzeugender und in ihrer Farbenpracht wunderbar anzuschauen sind dagegen die Exponate türkischer Glasherstellung. "Vom Sand zum Glas" wird der Produktionsweg nachvollzogen; in einer Ausstellung im oberen Stockwerk sind außerdem traditionelle und moderne Vasen, Schalen und andere Gefäße zu besichtigen.
In direkter Nähe befindet sich das Restaurant, das laut Wegweiser "Sofra", also "Feieressen", verspricht. Das Ambiente ist, wie das Innere des Pavillons insgesamt, schick und sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Besonders der ungewöhnliche Wandschmuck fällt ins Auge. Abgefüllt in große Gläser dienen Zutaten wie Pinienkerne und Hibiscusblüten nicht nur als Essensgrundlage, sondern auch als Dekoration in vielen Formen und Farben.
Das kulinarische Angebot reicht vom Lammschaschlik bis zum Feigendessert - nicht zu vergessen der Döner Kebap, der ganz oben auf die Speisekarte gesetzt wurde.
Mit einem Mahl im Restaurant ist der Gang durch den Pavillon fast beendet. Werke von Ilhan Koman geben schließlich einen gelungenen Einblick in zeitgenössische Kunst der Türkei.
Überragend ist nicht nur wegen ihrer Größe die Statue "Mittelmeer", eine abstrakte Darstellung der Göttin Anatoliens, die aus 120 stählernen Einzelteilen besteht.
Mit ihren weit geöffneten Armen steht sie, noch einmal, für die türkische Gastfreundschaft.
Bewertung:
Note: 2
Prädikat: Einladend
Verweildauer: 25 Minuten.
Erholungswert: Mittel. Schönes Restaurant. Sitzmöglichkeiten sonst nur an den Touchscreen-Monitoren.
Expo-Porträt:
Türkei
Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer