Expo-Kritik: Südafrika lebt auf - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Südafrika lebt auf

Anders als zahlreiche Stände in der Afrika-Halle der Expo setzt der südafrikanische Auftritt bewusst nicht auf traditionelle Kultur. Stattdessen wird Südafrika als modernes, westlich orientiertes Land präsentiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Warmes Licht empfängt den Besucher am 500 Quadratmeter großen südafrikanischen Expo-Stand in einer Ecke der Afrika-Halle. Im Eingangsbereich ist ein stilisierter Metallbaum, der "Tree of Life", zu sehen, unter dessen Krone mehrere Flachbildschirme Bilder von südafrikanischen Kindern zeigen. Unter dem Baum befindet sich ein Wunschbrunnen, in den Expo-Besucher Geldstücke für die Kinderstiftung des früheren Präsidenten Mandela werfen sollen. Auf diese Weise wird die Idee vom Baum des Lebens auch tatsächlich umgesetzt.

Ein Glasgewölbe überspannt einen etwa 20 Meter langen und mehrere Meter breiten Hauptgang in der Mitte des Standes. An der Außenseite des Glases laufen dünne Wasserschleier nach unten. Doch es ist besser, nicht zu den schillernden Reflektionen aufzusehen, denn auf dem Fußweg lauern Stolperfallen in Form von etwas vertieft in den Boden eingelassen quadratischen Glasscheiben. Unter diesen finden sich südafrikanische Weine, Kerzen und Keramikartikel.

Doch außer ihnen ist wenig Traditionelles am zweigeschossigen südafrikanischen Stand zu sehen, vielmehr soll die Affinität des Landes zu Technologie und Forschung vermittelt werden. So findet sich im Erdgeschoss unter anderem ein Modell des Southern African Large Telescope, das in Southerland, 370 Kilometer nördlich von Kapstadt, entstehen soll. Mit einem Spiegel, der 20-mal mehr Licht einfangen soll, als das bislang beste Teleskop Afrikas, wollen südafrikanische Forscher Blicke auf die Anfangszeit des Universums werfen.

Blicke auf die Anfangszeit der Menschheit können Expo-Besucher gleich neben dem Modell des Teleskops werfen. In einer Ecke des Standes sind über 2,8 Millionen Jahre alte Knochen von Vorfahren des modernen Menschen zu sehen, die in den Höhlen von Sterkfontein gefunden wurden. Ein Video informiert darüber, wie die Überreste des Australopithecus africanus freigelegt wurden.

Die frühmenschlichen Überreste haben am südafrikanischen Stand auch eine dramaturgische Bedeutung. Die Wurzeln des Menschen sollen gleichzeitig die Wurzeln des "Tree of Life" darstellen. Im oberen Geschoss, das begrenzt von stilisierten Metallblättern einen schönen Blick durch das wasserüberflossene Glasdach erlaubt, stehen südafrikanische Errungenschaften im Vordergrund. An Touchscreens und Bilderwänden gibt es zahllose Informationen zu Themen zwischen Geologie und Herzforschung. Die Präsentation ist anschaulich und gut nach den verschiedenen Themengebieten strukturiert, zu denen je ein Aufsteller und passende Ausstellungsstücke zu sehen sind.

Ein Teil der Präsentation zeigt, wie Forschungsergebnisse zur nachhaltigen Entwicklung des Landes eingesetzt werden können. Da sind Ziegelsteine zu sehen, die einen Hausbau ohne Zement ermöglichen, solargetriebene Warmwasseraufbereitungsgeräte oder Radios, die wahlweise mit Sonnenlicht oder Kurbelantrieb funktionieren.

Insgesamt fällt auf, dass sich Südafrika mit seinem westlich orientierten Auftritt bewusst von den anderen Ländern der Afrika-Halle abzuheben versucht. Die locken meist mit traditionellen und kulturell dominierten Angeboten. Dass das Angebot eher auf "weiße" Inhalte ausgerichtet ist, zeigt sich auch am Standpersonal. Denn obwohl mehr als drei Viertel der knapp 43 Millionen Südafrikaner eine schwarze Hautfarbe haben, sind dunkelhäutige Mitarbeiter am Expo-Stand deutlich in der Unterzahl.

Bewertung:
Note: 3+
Prädikat: ansehbar
Verweildauer: 25 Minuten
Erholungswert: Vielleicht werden Sie ja auf ein Glas südafrikanischen Wein eingeladen ...


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