Expo-Kritik: Tschechische Widersprüchlichkeit - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Tschechische Widersprüchlichkeit

Außen ist der tschechische Pavillon perfekt, innen nicht so ganz. Doch das wäre nicht weiter schlimm - wenn das Konzept schlüssig wäre.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei den Expo-Besuchern hat er seinen Spitznamen bereits weg: "Tschechische Ziehharmonika" wird der Beitrag des ehemaligen Ostblockstaates aufgrund seiner auffälligen Form augenzwinkernd genannt.

Gerade Linien, helles Naturholz und zwei Glasfassaden kennzeichnen das knapp 1000 Quadratmeter große Gebäude. Schmale unauffällige Säulen geben der doch recht wuchtigen Konstruktion eine gewisse Leichtigkeit.

Was das Holzbauwerk genau darstellen soll, darüber konnten sich seine Schöpfer - im Gegensatz zu den Expo-Besuchern - offensichtlich nicht einigen. Von einer "Arche" ist da die Rede. Aber auch von einem "großen geheimnisvollen Dach", das "über den Köpfen der Besucher schwebt". Während der hölzerne Pavillon von außen durchaus beeindrucken kann, trifft das auf sein Innenleben leider nicht zu - zumindest nicht in vollem Umfang.

Wer sich mit der Rolltreppe von unten in den Pavillon tragen lässt, stößt auf scharfe Kontraste: helles Holz und schwarzen Lack, Madonnenstatuen und nackte Frauen. Während sich Erstere im Raum stehend um die eigene Achse drehen, hängen Letztere an den Wänden - als Fotografien. Erst bei näherem Hinsehen wird klar, dass die Gegensätze doch nicht so stark sind: "Madonnen 2000" sind die 14 Aktfotografien des Künstlers Pavel Mára überschrieben.

Zwischen den überdimensionalen Fotos wurden allerlei Reliquien aufgehängt. Ikonenartige Bilder, ein Schwert aus dem 14. Jahrhundert, die Wenzelkrone - meist als Kopie. Die Originale waren anscheinend zu wertvoll für die Expo.

Weiter führt der Weg vorbei an Vitrinen mit einem Passionsbuch und der Velislav-Bilder-Bibel. Der Sinn, in einer vorwärts gewandten Ausstellung doch recht altertümlichen Gegenstände auszustellen, erschließt sich dem Besucher nur schwer. Dass die Begegnung zweier gegensätzlicher Epochen, der Karls IV. und der heutigen, Anstöße für die Zukunft geben soll, müsste den Gästen besser erläutert werden.

Mehr Bewegung in den Rundgang kommt im letzten Raum des Pavillons. Inmitten eines rund drei Meter hohen begehbaren Bücherstapels rotieren mehrere Spiegel. In der Luft liegt der Geruch alter Bücher.

Stilbruch nebenan: Ähnlich einem großen Passbildautomaten können sich Expo-Touristen fotografieren lassen. Die Gesichtszüge tschechischer Persönlichkeiten werden im Computer automatisch durch das kurze Zeit zuvor gemachte Bild ersetzt. Eine mehr oder weniger gelungene Montage, ein netter Gimmick. Richtig neu und richtig wegweisend ist das aber nicht.

Dafür wird der Besucher via Bildschirm gebeten, "freundlicheweise" den Ausdruck "beim Austritt aus dem Reinkarnationsautomat" abzuholen. Dass selbst auf einer Weltausstellung nicht alles perfekt sein muss, macht den tschechischen Pavillon wieder richtig sympathisch.

Bewertung:
Note: 3-
Prädikat: widersprüchlich
Wartezeit: gering
Verweildauer: maximal 30 Minuten
Erholungswert: Immerhin gibt es eine Rolltreppe

Alexander Stirn


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