Expo-Management Sponsoren kritisieren "dramatische Marketingfehler"
Hannover/Berlin - Ruhe bewahren, lautet die Devise im Verwaltungsgebäude an der Expo-Plaza. Gebetsmühlenartig wiederholen die Organisatoren der Weltausstellung, dass für deutliche Preissenkungen oder große Marketingaktionen der finanzielle Spielraum fehle. Stattdessen soll, wie Expo-Sprecherin Wibke Bruns im ARD-Morgenmagazin beteuerte, auf "Mundpropaganda" gesetzt werden. Der große Ansturm, so die Hoffnung in Hannover, komme dann ganz von allein.
Darauf wollen die Hauptsponsoren der Weltausstellung nicht vertrauen. Wie "Focus" berichtet, kritisieren die Weltpartner Deutsche Telekom und der Medien-Konzern Bertelsmann das Marketing-Konzept der Expo scharf. Beide Sponsoren haben bis zu 100 Millionen Mark in die Weltausstellung investiert.
Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater: "Die Expo hat phantastische Inhalte, aber es hat dramatische Marketingfehler gegeben." Es sei falsch gewesen, am Eröffnungstag die Ticketpreise zu verdoppeln. "Stattdessen hätte das Gelände mit Sonderpreis-Aktionen gefüllt werden müssen." Zudem seien die Werbemaßnahmen der Expo "verfehlt" und hätten "keine Begeisterung" ausgelöst.
Bertelsmann-Manager Bernd Bauer fordert die Expo auf, "mit einer neuen knalligen Werbekampagne den Negativ-Trend zu stoppen". Die bisherige Aktion sei "verpufft".
Auch die Opposition im Deutschen Bundestag verlangt mehr Marketing. CDU/CSU wollen, dass die Expo-Gesellschaft ihre Gelder zur Werbung deutlich aufstockt. Im Haushalt der Expo und der Deutschen Zentrale für Tourismus sollten die Werbemittel kurzfristig um 50 Millionen Mark erhöht werden, so CDU-Tourismusexperte Klaus Brähmig.
Sie SPD sieht das anders: Schon jetzt stünden der Bund und das Land Niedersachsen für Millionenbürgschaften in der Pflicht, so die SPD-Tourismusexpertin Birgit Roth im Bundestag. Mit den Forderungen nach Finanzspritzen für Werbung werde die Expo "aus billigen parteipolitischen Interessen" schlechtgeredet und der Steuerzahler missachtet.
Der allerdings muss eh schon für das seit langem einkalkulierte Expo-Defizit von 400 Millionen Mark geradestehen. Und mit jedem ausbleibenden Besucher droht das Minus größer zu werden.