Expo-Streit Ramba-Zamba hinter dem Tempel?
Hannover - Um die Ruhe von Amrit Ratna Shakya ist es geschehen: Seit rund einer Woche weiß der nepalesische Generalkommissar, dass direkt hinter seinem Pavillon auf dem Expogelände ein bayerisches Bierzelt errichtet wird.
"Ich habe nichts gegen die deutsche Kultur, aber bitte an einem anderen Ort", meint der Bevollmächtigte aus dem Land auf der Südseite des Himalaya. Schließlich errichtet das Königreich Nepal auf der Weltausstellung einen "Tempel der Ruhe". Rund 800 Familien haben in Heimarbeit vier Jahre lang an dem Pavillon aus Holz geschnitzt, der eine buddhistische Stupa und einen hinduistischen Tempel vereint.
"Hätten wir das gewusst, hätten wir unseren Pavillon gar nicht erst gebaut", sagt Shakya. Was den Mann aus Nepal erzürnt, wird sieben Meter hoch: ein riesiges Bierzelt des Münchner Gastronomen Hermann Haberl.
Der Biertempel soll auf zwei Etagen Platz für 3000 Besucher bieten. "Ein Stück Münchner Oktoberfest und bayerische Gastlichkeit hält auf der Expo Einzug", verkündete die Expo-Gesellschaft bei der Vertragsunterzeichnung stolz - und verschwieg dabei den Standort des Bierzeltes.
"Dieser Platz wurde uns von der Expo-Gesellschaft zugewiesen, wir hatten keinerlei Einfluss auf den Standort", sagt Frank Wassermann, stellvertretender Geschäftsführer der Münchner Firma. "Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir natürlich lieber ein anderes Grundstück genommen." Über die Inhalte der Nationen-Präsentationen sei den Zeltbetreibern aber nichts bekannt gewesen.
Chancen für einen Umzug des Zeltes sieht der Geschäftsmann sechs Wochen vor der Weltausstellung nicht mehr. "Die Bauarbeiten sind bereits zu weit fortgeschritten." Ein Fundament aus Beton wurde gegossen, die Infrastruktur verlegt, und das Gerüst steht auch schon.
Dabei hätte die Expo jetzt ein passendes Grundstück zu vergeben. Nach der Expo-Absage der USA vergangene Woche steht ein Teil des für die Amerikaner reservierten Grundstückes wieder zur Verfügung - weit abgelegen am Ende des Ostgeländes.
"Als wir die Fläche für das Bierzelt vergeben haben, konnten wir noch nicht absehen, dass das Grundstück für den US-Pavillon wieder frei wird", sagt Expo-Sprecherin Silke Schumacher. Ursprünglich hätten neben Nepal die Thailänder bauen sollen. Die seien umgezogen, so dass die letzte freie Fläche kurzfristig für das Bierzelt verplant werden musste. Mit Bäumen und einer Schallschutzwand will die Expo-Gesellschaft nun gegen den Lärm vom Bierzelt vorgehen.
Die Vorfreude auf ihren großen Auftritt ist den Nepalesen derweil vergangen. "Hinzu kommt, dass wir unseren Nationentag am 11. Juni verlegen müssen, weil die christlichen Kirchen auf der Plaza ihr Pfingstfest feiern", sagt Shakya.
Geschäftsmann Wassermann versucht unterdessen zu beruhigen: "Ramba-Zamba wie auf dem Oktoberfest wird es auf der Expo sicherlich nicht geben, schließlich wollen sich die Besucher die Weltausstellung ansehen."
Ironie der Geschichte: Auf dem Expo-Gelände gibt es bereits eine "Münchner Halle". Das aus Cebit-Zeiten bekannte Bierparadies mit seinen 4000 Plätzen bleibt jedoch während der Weltausstellung geschlossen - weil dem Eigentümer die Konzessionsabgaben an die Expo-Gesellschaft zu hoch waren.
Carola Große-Wilde