Feuriges Argentinien Tango Minimale
Wer sich dem argentinischen Expo-Stand von der falschen Seite nähert - und das machen aufgrund der Halleneinteilung wohl die meisten - sieht wahrlich kein schönes Bild des südamerikanischen Landes: Hohe beige Wände ohne jeden Schmuck empfangen den Besucher - mehr abweisend als einladend. Der Schriftzug Argentinien wurde recht lieblos auf das Beige gepinselt. Und durch dünne Glasscheiben fällt der Blick in leere Besprechungszimmer und unaufgeräumte Büros.
Dass ein Expo-Stand auch einen Verwaltungsbereich braucht, steht außer Frage. Dass es Räume geben muss, in denen potenzielle Investoren und besondere Gäste empfangen werden könnten, ist auch klar. Weniger einleuchtend ist allerdings, dass deren Anblick - noch dazu wenn er so lieblos gestaltet ist - die Expo-Besucher aus aller Welt empfangen soll.
Denn wer hinter die abschreckenden Fassade blickt, den erwartet ein durchaus ansprechend gestalteter Marktplatz: Auf echten Pflastersteinen lädt ein kleines Straßenrestaurant zum Verweilen ein. An einer kleinen Multimediainsel können sich Besucher durch die Internet-Selbstdarstellung Argentiniens klicken. Surfen im Netz ist zwar möglich aber - so belehrt ein kleiner Zettel - nicht gestattet.
Großzügiger sind die Argentinier da schon in puncto Musik. Passend zum kleinen Straßencafé gibt es Tangomusik - entweder vom Band oder live aus dem Flügel: Mehrmals täglich sollen die Gäste mit einer Tangoshow beglückt werden. Zwischen den einzelnen Auftritten gibt es eine "Videoshow", deren Höhepunkt ebenfalls ein Tango darstellt.
Bis zu dem müssen die Kino-Besucher allerdings eine 20-minütige Touristik-Diashow über sich ergehen lassen. Mit einer Vielzahl von Projektoren und einer geschickten Überblendtechnik kann die sich - trotz einiger Längen - durchaus sehen lassen. Schöne Sonnenaufgänge, Wasserfälle, Berge und Städte erscheinen auf der breiten Leinwand.
Dazu jede Menge Tiere, vom Lama über Pinguine bis hin zu See-Elefanten. Musikalisch untermalt wird das ganze von Klassik, Folklore und Pop - musikalische Kompositionen, die zu Beginn nicht immer so ganz zu den Bilder passen, gegen Ende aber die Impressionen gut ergänzen.
Allerdings: Mit der Expo hat die stark touristisch angehauchte Diashow wenig bis gar nichts zu tun. Da wundert es auch wenig, dass der artige Beifall am Schluss von den argentinischen Hostessen durch verstecktes Vorklatschen provoziert werden muss.
Das ändert sich beim Höhepunkt der Show, dem Auftritt zweier feuriger Tangopaare. Gekonnte Schritte, laszive Posen und feuriges Temperament bringen das Publikum in Wallung. Doch auch wenn die Besucher für kurze Zeit begeistert reagieren, bleibt ein fahler Nachgeschmack: Den gesamten Expo-Auftritt nur auf den Tango zu reduzieren ist wenig - für ein Land wie Argentinien zu wenig.
Bewertung:
Note: 3-4
Prädikat: einförmig
Verweildauer: 5 oder 45 Minuten
Erholungswert: nettes Café, kühles Kino, mitunter aber auch lange Schlangen
Alexander Stirn
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