Griechenland Einmal Phantasmagorien, bitte!
Eine "Arche des Wissens" soll er sein, der griechische Expo-Pavillon. Und in der Tat: Das etwas schwerfällig wirkende Gebäude mit den massiven Säulen scheint dank seiner Architektur wirklich über einem flachen Wasserbecken zu schweben.
Das Innere des griechischen Expo-Beitrags ist dagegen nicht so erhebend, wenngleich es einer klaren thematischen Linie folgt. Denn die Griechen haben sich strikt an das Expo-Thema gehalten und präsentieren "das ideelle Gleichgewicht zwischen Technologie, Natur und Mensch". Der rote Faden, in vielen anderen Pavillons ein Totalausfall, ist bei den Griechen immerhin vorhanden.
Über allen 1400 Quadratmetern soll dabei ein Aphorismus des Protagoras stehen: "Das Maß aller Dinge ist der Mensch." Folglich zeigen die Griechen den Menschen in Harmonie mit der Natur, den Menschen als Schöpfer und Beherrscher der Technik und das Ideal einer Technik, die mit der Natur einhergeht und sie respektiert. Klingt nicht besonders spannend? Ist es auch nicht. Aber es ist stimmig.
So landet der Besucher zunächst in einem lichtdurchfluteten Raum, der von einem kleinen Amphitheater bestimmt wird. Inmitten der hölzernen Stufen plätschert ein kleiner Bach, dessen Wasser sich in einem kreisrunden Springbrunnen sammelt. Typisch für den griechischen Beitrag: Durch eine verspiegelte Decke erscheint das regelmäßig gebaute Theater noch größer und noch eindrucksvoller.
"Raum der Vergangenheit" haben die Macher des Pavillons den ersten Raum getauft. Modelle von alten Wagen oder Brunnen geben dem Recht. Aber auch eine Videopräsentation und Computer-Terminals mit kulturellen und touristischen Informationen warten auf die Expo-Besucher.
Vorbei an einem kleinen Intermezzo zu den Olympischen Spielen - besonders zu denen im Jahr 2004 in Athen - geht es in Richtung Werbeprospekte. Vorbildlich, dass die Griechen die Tourismuswerbung vom Rest der Präsentation relativ strikt getrennt haben und nicht, wie andere Nationen, ihren Expo-Pavillon nur für touristiche Zwecke einsetzen
Hat schon der gesamte Pavillon etwas Tempelhaftes an sich, so verstärkt sich dieser Eindruck im zweiten Hauptabschnitt noch. Dort haben die Griechen einen "symbolischen Tempel der Technik" aufgebaut, der Technologien von gestern und heute präsentieren will. Oder wie es die Macher der Ausstellung formulieren: "Der Besucher entdeckt in dem phantasmagorischen Ambiente eines Planetariums die Technologie der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft."
Vorbei an viereckigen Säulen, die im unteren Bereich zu Vitrinen werden, betritt der Expo-Tourist einen dunklen, ansprechend gestalteten Raum. Von der Decke funkelt ein bunter Sternenhimmel herab, über eine große Leinwand flimmert ein hektischer Film - und das gleich vier Mal: Denn der Videoclip wird nicht nur an der Mittelachse gespiegelt, somit also sowohl richtig als auch seitenverkehrt gezeigt; die beiden Bilder reflektieren sich auch noch in der wiederum verspiegelten Decke.
Das alles ist, genauso wie die ausgestellten Modelle antiker Pressen und Kräne, hübsch anzusehen. Es hinterlässt aber, vielleicht gerade weil es so unaufdringlich realisiert wurde, keinen bleibenden Eindruck. Leider.
Bewertung:
Note: 3-
Prädikat: durchdacht
Verweildauer: 15 Minuten
Erholungswert: Wer dem hellen Sonnenlicht entsagen will, ist in Griechenlands Dunkelkammer gut aufgehoben.
Alexander Stirn
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