Knallig: Down Under - oder die grelle Öde - DER SPIEGEL
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Knallig Down Under - oder die grelle Öde

Hüpfburg oder bonbonfarbenes Opernhaus? Der australische Expo-Pavillon hat von beidem etwas. Außen auffällig und extravagant, hält das Innere nicht das, was die Hülle verspricht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Macher des australischen Auftritts auf der Weltausstellung müssen Fans des Verhüllungskünstlers Christo sein. Warum sonst sollten sie die Stahlkonstruktion ihres Pavillons mit wallenden Planen und runden Formen umgeben? Doch während Christo in der Regel gedeckte Farben bevorzugt, muss es bei den Australiern knallig sein. Auffallen um jeden Preis, lautet die Parole aus Down Under.

Kein Wunder, dass die Expo-Besucher in Massen strömen. Im Innern des Ungetüms, das die natürlichen Oberflächen der australischen Landschaft symbolisieren soll, werden sie allerdings enttäuscht. Und zwar Zug und Zug.

Der Eingangsbereich der Ausstellung kann dabei noch am ehesten beeindrucken: Dort stoßen die Besucher auf ein 15.000 Liter großes Aquarium, in dem die Australier einen Teil des Great Barrier Reefs nachgebaut haben. Die bunten Fische, Korallen und anderen Meerestiere sollen nach der Weltausstellung dem Berliner Zoo gespendet werden.

Auf der rechten Seite empfangen Schnitzereien den Besucher. Traditionelle Aborigine-Figuren stehen für Einwanderer, die - angefangen von den Ureinwohnern über die ersten europäischen Siedlern bis zu den heutigen Immigranten - Australien nach und nach besiedelt haben.

Auch im weiteren Verlauf des Pavillons spielt ursprüngliche Kultur, neben bunten Tourismusplakaten, eine große Rolle. So hängen an den Außenwänden eines kleinen Kinos Totems im erdfarbenen Design, die dem Auge eine willkommene Abwechslung zur ansonsten viel zu bunten Präsentation bieten.

Hinter den Wänden, im halbrunden Kino, erwartet den Besucher ein Film, der die Schönheit und Vielfalt des fünften Kontinents zeigen will. Im Zeitraffer ziehen Impressionen von Regenwäldern, Wüsten und Küsten vorbei. Schöne Bilder, mehr nicht. Entsprechend flüchtig ist der Eindruck, den der kleine Film hinterlässt.

Gegenüber warten die Australier mit einer Spielerei auf: An Computerterminals können Expo-Touristen nicht nur durch das Internet-Angebot des Landes surfen, sondern auch ihr Gesicht - aufgenommen mit einer kleinen Webcam - in eine virtuelle Postkarte montieren. Die Auswahl an Motiven ist wenig spektakulär und reicht vom Kopf eines Surfers bis zum Beutel eines Kängurus.

Weiter geht es mit einem bunten Sammelsurium - im wahrsten Sinne des Wortes. Vor einem knalligen Rot, haben die Australier gelbe Setzkästen montiert, die Erfindungen des Landes zeigen. In allen nur erdenkbaren Farben, versteht sich.

Die Erfindungen selbst können mit der farblichen Vielfalt nicht mithalten: Kokosöl, Studien zur Nikotinsucht, neue Fähren oder CD-Roms werden gezeigt. Eine eher öde Präsentation.

Interessanter sind da schon Erfindungen aus älterer Zeit: Gegenüber der grellbunten Galerie haben die Macher der Ausstellung eine Wand mit Bumerangs dekoriert. Verschiedene Formen, verschiedene Designs, ein seltenes Highlight.

Symptomatisch für das Angebot Australiens ist der obligatorische Abschlussfilm: Viel Liebe zum Detail, viel Design, wenig Konzept und wenig bleibender Eindruck. Aus einer breiten, verschnörkelten Leinwand quillt eine große Halbkugel.

Darauf und auf die Flächen rechts und links werden Filmszenen projiziert: Fünf Filme zur selben Zeit, fünf Filme zum gleichen Soundtrack. Gut gemacht aber eher langweilig. Und das war's dann auch. Nach keinen 100 Metern Pavillon-Erlebnis empfängt den Besucher bereits der Souvenir-Shop.

Eine, so die Eigenwerbung, "intelligente und innovative" Präsentation wollen die Australier bieten. Eine Präsentation, die zeigen soll, wie wichtig der Kontinent in punkto Tourismus, Handel und Kreativität ist. Doch, und das merken die Besucher schnell, allein mit Kreativität und touristischen Reizen lässt sich nun mal keine fesselnde Expo-Präsentation aufbauen.

Bewertung:
Note: 4+
Prädikat: knallig
Verweildauer: zehn Minuten
Erholungswert: Über lange Wege müssen sich Pavillon-Besucher immerhin nicht beklagen.

Alexander Stirn


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Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer

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