Langlaufexperte zu Merkels Skiverletzung - DER SPIEGEL
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Verletzungsrisiko beim Langlauf "Ganz schön auf den Hintern gekracht"

Skilanglauf gilt als Sportart mit geringem Verletzungsrisiko. Immerhin muss sich der Normalläufer meist mit eigener Körperkraft vorwärtsschieben. Dennoch gibt es Gefahren wie vereiste Pisten - und die Überschätzung der eigenen Kondition. Ein Unfall wie der der Kanzlerin ist eher selten.
Langläufer im Bayerischen Wald: Kein hohes Verletzungsrisiko für Trainierte
Langläufer im Bayerischen Wald: Kein hohes Verletzungsrisiko für Trainierte

Langläufer im Bayerischen Wald: Kein hohes Verletzungsrisiko für Trainierte

Foto: TMN / Bayerischer Wald
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Hamburg - Skilanglauf gilt gemeinhin als gesunde und eher gemütliche Sportart. Wer auf den zwei schmalen Brettern durch schneebedeckte Wälder gleitet, trainiert gelenkschonend Bein- und Rumpfmuskeln und genießt nebenbei frische Luft und schöne Natur. Was soll da schon groß passieren, denkt da auch manch älterer und weniger trainierter Skifahrer. Im Großen und Ganzen ist das Risiko tatsächlich gering - wenn man sich nicht überfordert.

Beim Skilanglauf eine Beckenverletzung zu erleiden, wie Angela Merkel sie sich zugezogen hat, ist nach Expertenansicht eher ungewöhnlich. So schwere Unfälle seien eher selten, sagt Andreas Lange, der beim Deutschen Skiverband (DSV) Beauftragter für Skilanglauf ist.

Die Sportart sei nicht so unfallträchtig, höchstens ein verdrehtes Knie oder Hautabschürfungen kämen mal vor. Merkel müsse schon "ganz schön auf den Hintern gekracht sein", um sich einen Bruch zuzuziehen, mutmaßt Lange. Neben der Wucht des Aufpralls spiele aber immer auch die sportliche und körperliche Konstitution eine Rolle: "Jeder fällt anders - manche fallen wie ein Stein, andere rollen ab."

Beim Langlauf sei vor allem wichtig, die Technik "von der Pike auf" zu lernen und auf steile Abfahrten zu verzichten. Zum Bremsen dient, bergauf und bergab, ähnlich wie beim Abfahrtski der sogenannte Schneepflug, bei dem die Skispitzen zu einem Dreieck vor dem Körper zusammengeführt werden. "Das muss man sich bei Eis aber auch erst mal trauen", sagt Lange.

Lauftraining ist zur Vorbereitung hilfreich

Er rät deshalb vor allem Anfängern, vereiste Loipen unbedingt zu meiden. Auch "Frühjahrsschnee", also "feuchter, schwerer Schnee", könne das Unfallrisiko erhöhen, weil Langläufer bei solchen Wetterverhältnissen weniger Halt haben und schneller hinzufallen drohten. Die Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) rät in ihren "Verhaltensregeln für Skilangläufer ", stets alle Markierungen und Hinweisschilder zu beachten, zudem müsse man auf Loipen und Pisten in der angegebenen Richtung und Lauftechnik und immer auf der rechten Spur laufen.

Allgemein verringert man das Risiko einer Skiverletzung laut SIS durch Muskelaufbau der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur mit Rumpfstabilisierung sowie eine Verbesserung der Technik, zudem sei eine korrekte Bindungseinstellung wichtig. Auch die österreichische Bergrettung  rät zu einer gewissenhaften körperlichen Vorbereitung, ausgiebigem Training oder Lauftraining, da Skilanglauf von vielen unterschätzt werde.

Das eher gemächliche Image der Sportart führt das offenbar dazu, dass viele sich überfordern und dadurch gesundheitlich ein zu hohes Risiko eingehen. Laut dem Deutschen Alpenverein sind mehr als ein Drittel aller Todesfälle im Bergsport plötzliche Herztodesfälle  - wobei diese bei Langlauf beispielsweise häufiger vorkommen als beim Bergwandern oder Alpinen Skilauf. Wichtig ist, die eigene Belastbarkeit zu kennen.

Wie viele Unfälle es speziell im Skilanglauf jährlich gibt, ist laut SIS nicht bekannt - es gebe keine gesonderte Statistik. Skiunfälle werden ohne Differenzierung der Unterarten in der jährlichen ASU-Unfallanalyse  angegeben (ASU = Auswertungsstelle für Skiunfälle).

Im vergangenen Jahr verletzten sich demnach bei einer geschätzten Gesamtzahl von 4,2 Millionen deutschen Skifahrern hochgerechnet etwa 41.000 bis 43.000 Skifahrer, die meisten davon im Schulter- oder Kniebereich (circa 20 beziehungsweise etwa 37 Prozent). Die Gesamtunfallzahlen im Skisport sind seit Beginn der ASU-Aufzeichnungen 1979/80 um mehr als 58 Prozent zurückgegangen.

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