Zugabe Schröder will noch mehr Expo
Hannover - Bundeskanzler Gerhard Schröder würde die Weltausstellung gern über den 31. Oktober hinaus verlängern. "Aber ich mache nicht die Konzeption, das ist nicht meine Aufgabe", sagte Schröder am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".
"Da müssen sich die Expo-Macher zusammensetzen und das Land." Der Bund und Niedersachsen müssten sich darüber im Klaren sein, "dass das eine nationale Veranstaltung war und ist", betonte der Kanzler. Daraus resultiere auch eine Verantwortung des Bundes: "Wir werden den niedersächsischen Ministerpräsidenten nicht hängen lassen."
Nach Informationen des SPIEGEL wird im Kanzleramt überlegt, Teile des Themenparks, aber auch Peter Steins "Faust"-Inszenierung bis in den Dezember hinein zu präsentieren. Von dem Zusatzgeschäft verspreche sich Schröder zumindest kosmetische Korrekturen an der tiefroten Expo-Bilanz.
Ein Sprecher des Bundespresseamtes stellte allerdings klar, dass nicht daran gedacht werde, die Expo als solche zu verlängern. Unter dem Stichwort "Nachnutzen" werde aber überlegt, Teile der Weltausstellung wie den Themenpark oder besondere Attraktionen auch nach dem Ende der Expo noch weiter anzubieten, eventuell auch an anderen Orten.
Die Expo-Gesellschaft reagierte überrascht: "Diese Planungen sind noch nicht an uns herangetragen worden", sagte Expo-Sprecher Udo Iwannek. Es könne sich jedoch nur um eine Verlängerung auf dem Ost-Gelände handeln. "Der Themenpark befindet sich aber auf dem Messe-Gelände und die 'Faust'-Inszenierung von Peter Stein geht im Oktober nach Berlin", erläuterte der Sprecher.
Auch Ole Philipson, Sprecher der Generalkommissare der teilnehmenden Länder, hält eine Verlängerung nicht für realistisch. Auch wenn sich die Menschen "in die Expo verlieben und wünschen, sie länger zu behalten." Das sei in Sevilla und Lissabon nicht anders gewesen. Es gebe jedoch feste Regeln. Sämtliche Verträge der Mitarbeiter der teilnehmenden Nationen endeten am 31. Oktober.
Die Expo-Gesellschaft hatte vor gut einer Woche bekannt gegeben, dass sie mit einem Verlust von bis zu 2,4 Milliarden Mark rechnet. Um eine drohende Pleite abzuwenden, hatten der Bund und das Land Niedersachsen in einer Blitzaktion 860 Millionen Mark zur Verfügung gestellt.
Aus einem Verkauf des Expo-Besitzes nach Ende der Weltausstellung erwartet das Auktionshauses Troostwijk lediglich mit einem Erlös im zweistelligen Millionenbereich.