Expo-Kritik: Licht, Stein, Liechtenstein - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Licht, Stein, Liechtenstein

Die kleine Alpenmonarchie präsentiert sich auf der Expo in einem leuchtenden Stein. Doch was verbirgt sich dahinter - außer dem Wortspiel? Ein bisschen Wirtschaft, ein bisschen Finanzen, ein bisschen Alpen: Ein bisschen Liechtenstein eben.
Von Thorsten Pifan
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - Die vier Tore des Liechtenstein-Pavillons, die aus vier verschiedenen Gesteinsarten bestehen, sollen die Grundpfeiler der Alpenmonarchie symbolisieren. Der Besucher kann den erleuchteten Kubus durch den "Wirtschaftsstein", den "Kulturstein", den "Monarchiestein" oder den "Finanzstein" betreten. Hinter jedem Tor verbirgt sich ein wenig Information zum Thema.

Wer den Quader durch das Tor "Kulturstein" betritt, wird mit den Klängen klassischer Musik empfangen. Liechtenstein will sich - klugerweise - nicht mit größeren Nationen messen. Deshalb bietet der Pavillon auch nur einen Überblick über die kulturellen Einrichtungen im Land: Museen, Theater und Kunstsammlungen.

Hinter dem Tor zum "Monarchiestein" befindet sich ein Ausstellungsbereich zur Geschichte und Staatskunde der konstitutionellen Monarchie. Hier bringt man dem Besucher zum Beispiel bei, dass Liechtenstein seit 1921 eine eigene Verfassung hat - und dass in dieser Verfassung die Erbmonarchie auf parlamentarischer Grundlage festgehalten ist.

"Wirtschaftsstein" und "Finanzstein" zeigen jedoch viel eher, worauf es in Liechtenstein wirklich ankommt: Der Finanzsektor ist eng mit dem der Schweiz verbunden - und er bringt dem Land rund die Hälfte der Staatseinnahmen. Bekannt ist die Alpenmonarchie vor allem für die mehr als hunderttausend Briefkastenfirmen, die ihr Geld aus Steuergründen lieber dort als in der eigenen Heimat deponieren.

Die Wirtschaft in dem kleinen Staat läuft so gut, dass Bundesarbeitsarbeitsminister Walter Riester beim Blick auf den Liechtensteiner Arbeitsmarkt der Neid ins Gesicht geschrieben stehen müsste: 31.000 Einwohnern stehen 24.000 Arbeitsplätze gegenüber.

Tag für Tag müssen Pendler aus Österreich und der Schweiz kommen, die Wirtschaft bräche sonst zusammen. Liechtenstein verfügt über eine Hightech-Industrie, von der die meisten nichts wissen. Denn in den Alpen werden vor allem Nischenprodukte - Heizungstechnik, Feinmechanik oder Brillenglasbeschichtungen - hergestellt, kaum aber Waren für den Endverbraucher.

Wer daraus schließt, dass die Natur in dem Staat zwischen Österreich und der Schweiz in Mitleidenschaft gezogen ist, wird eines Besseren belehrt, wenn er sich in die erste Etage des Expo-Pavillons begibt: Dort laufen auf vielen kleinen Monitoren kurze Filme, die die Schönheit der Alpenlandschaft Liechtensteins zeigen.

Leider ist das Angebot im ersten Stock zu steril, um den Besucher zum längeren Aufenthalt zu bewegen. Die Bilder von 300 Gesichtern, die an den Wänden einen Querschnitt der Bevölkerung Liechtensteins zeigen sollen, helfen da auch nicht mehr.

Den Strom, mit dem die Beleuchtung des Liechtenstein-Stands in Hannover betrieben wird, haben sich die Liechtensteiner übrigens nur "geliehen". Daheim in den Alpen produzieren sie währenddessen Solarstrom, den sie als Gegenleistung ins internationale Netz einspeisen. Solange, bis die Rechnung beglichen ist. Ein Stromkonto zeigt an, wie viel Energie Liechtenstein produziert und wie viel der Pavillon in derselben Zeit schluckt.


Bewertung:
Note: 3
Prädikat: steinig
Verweildauer: zehn Minuten
Erholungswert: Die blauen Sofas werden gern genutzt, um müde Beine hoch zu legen.

Expo-Porträt: Liechtenstein
Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer

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