Die Osterinsel versinkt im Müll - DER SPIEGEL
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Umwelt: Das Müllproblem der Osterinsel

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Osterinsel im Pazifik Eine Insel mit Müllbergen

Grüne Weite, weltberühmte Figuren aus Stein: Die Osterinsel im Pazifik lockt jedes Jahr fast 100.000 Touristen an. Sie sind nicht allein dafür verantwortlich, dass das Eiland im Müll versinkt.
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Jeden Freitag startet ein Frachtflugzeug der Gesellschaft LAN Cargo von der Osterinsel Richtung Chile. Im Frachtraum: drei Tonnen Pappe. An jedem ersten Donnerstag im Monat nimmt die Maschine gratis zwei Tonnen Plastik mit, an jedem letzten Donnerstag im Monat ebenso viel Aluminium. Doch das ist nur ein Bruchteil der Abfälle, die sich auf der Insel mit den geheimnisvollen Moai-Statuen anhäufen.

Auf der Insel sammelt sich nicht nur der Müll von 6500 Einwohnern und immer mehr Touristen - im vergangenen Jahr waren es 95.000 Besucher. Täglich werden auch Abfälle aus dem gigantischen Plastikmüllstrudel, der sich im Pazifik dreht, an die Strände geschwemmt. Denn das kleine, dreieckige Eiland liegt inmitten von Meeresströmungen, die den Müll vom chilenischen Festland und Plastikfetzen an die 16, 17 und 24 Kilometer langen Küsten tragen. Auch alte Fischernetze enden an den Stränden oder in Mägen von Meereslebewesen - entsorgt von den riesigen japanischen, chinesischen oder spanischen Trawlern, die in den fischreichen Gewässern Thunfisch, Doraden oder Barsche fangen.

Eine nachhaltige, umweltverträgliche Entsorgung des Unrats ist schwierig auf dem Eiland, das 3700 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt abgelegen im Südpazifik liegt. Nach Angaben von Varoia Ike sortieren lediglich 30 bis 40 Prozent der Einwohner ihre Abfälle. "Und nicht alle machen es richtig", klagt die Verantwortliche für Umweltbildung in der Stadt Rapa Nui, wie die Osterinsel auf polynesisch heißt. "Wir sind auf die Recyclingfirmen des Kontinents angewiesen, und die Abfälle müssen sauber und trocken sein, aber nur die Hälfte ist in gutem Zustand."

So gehen nur 20 Prozent aller Abfälle ins Recycling - der Rest landet auf der Deponie, wo sich Haushaltsgeräte, Autowracks und alte Reifen stapeln. "Wenn wir Abnehmer finden für all diesen Müll, den wir produzieren, schicken wir alles gratis, wenn Sie wollen", scherzt Marcos Haoa, ein Historiker, der auf dem Recyclinghof von Orito aushilft.

Musikschule aus Müll

Sieben Tonnen Müll produzieren Einwohner und Touristen durchschnittlich pro Tag auf der Insel, die fast alles importieren muss. Bis 2025 werden voraussichtlich 32 Tonnen Pappe, 18 Tonnen Plastikmüll, zwölf Tonnen Konservendosen und neun Tonnen Glas zusammenkommen.

Die Gemeindeangestellte Piru Huke kämpft seit 29 Jahren gegen den Unrat aus dem Meer. Zwei bis vier Mal im Jahr organisiert sie Aktionen, zuletzt sammelten im Mai 150 Freiwillige 1800 Kilogramm Müll an den Stränden ein. Ein Unternehmen spendet jeden Monat hundert Müllsäcke, die die Helfer dann füllen und auf ihrem eigenen Rücken oder per Pferd zusammentragen. "Doch das reicht nicht", klagt sie. "Wir holen es nur aus dem Meer, um es auf die Müllhalde zu bringen. Das ist sehr entmutigend."

Mancher Unrat immerhin wird künstlerisch verwertet: Der US-Architekt Michael Reynolds, auch bekannt als "Garbage Warrior" (Müllkrieger), baute aus Recyclingmaterialien die örtliche Musikschule. Und die Wände der Büros im Recyclingzentrum sind aus Konservendosen, Plastikflaschen und Kartonverpackungen entstanden, der Boden aus Beton mit zerstoßenem Altglas.

Mehr über das Schulprojekt und den nachhaltigen Tourismus auf der Osterinsel erfahren Sie in dieser Reportage von vor Ort.

5 Min
jus/AFP