Die Serengeti Hemingways Traum von Afrika
Schon der Schriftsteller Ernest Hemingway geriet bei der Beschreibung der Serengeti ins Schwärmen: "Ich konnte es nicht fassen, dass wir plötzlich in eine derart wunderbare Gegend gekommen waren. Es war ein Land, um beglückt aufzuwachen, weil man davon geträumt hatte."
Drei Millionen große Säugetiere leben in dem Nationalpark, der in der Sprache der Massai Siringet heißt: "unendliche Weite". Unendlich ist hier aber nicht nur die Weite, sondern auch die Anziehungskraft, die das Gebiet auf Besucher ausübt. An dieser Sehnsucht nach Abenteuer und Wildnis nicht ganz unschuldig ist Bernhard Grzimek, der das deutsche Fernsehpublikum mit seinen Tierfilmen über den Nationalpark in Tansania verzauberte. Er setzte sich dafür ein, dass die Serengeti ebenso wie Hemingways Traum von Afrika weiterleben kann.
Und wie sie lebt, die Serengeti: Tausende von Gnus, Zebras und Gazellen grasen hier von Horizont zu Horizont. Sie kommen mit dem Regen aus der Masai Mara in Kenia, galoppieren übermütig über das frische Grün und bringen hier ihren Nachwuchs zur Welt. Ein- bis zweimal jährlich unternehmen sie in riesigen Herden diese faszinierende Wanderung.
Wenn im Mai das Grün wieder knapp wird, zieht der riesige Treck erneut in Richtung Nordwesten. Erst im Juli oder August erreicht er die Masai Mara, die dann bis Oktober ratzekahl gefressen ist. Immer im ständigen Rhythmus von Leben und Tod, Anpassung und Wanderung bewegen sich die Tiere.
Tourismus gibt es in der seit 1951 unter Naturschutz stehenden Serengeti, die mit 14.763 Quadratkilometern fast so groß ist wie Schleswig-Holstein, nur in einem verträglichen Maß. Wohltuend ist der Kontrast zu Kenia, wo Reisende ihre Pirschfahrten in Rudeln von Kleinbussen antreten, immer in der Spur ihrer Vorgänger.
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Ein idealer Ausgangspunkt für eine Safari ist die Stadt Arusha, in deren Nähe auch der internationale Flughafen Kilimandscharo Airport liegt. Im offenen Jeep geht es über buckelige Pisten, Wasserlöcher und unwegsame Steppe - Stunde um Stunde, ohne einem anderen Fahrzeug zu begegnen. Die Gruppen sind klein, seit den Anschlägen vom 11. September mitunter winzig. Anstrengend sind die Touren schon, aber nicht ermüdend. Zu abwechslungsreich gibt sich die Landschaft, zu groß ist die Artenvielfalt. Nichts wiederholt sich, alles fasziniert immer wieder aufs Neue. Und Fahrer und Guide passen höllisch auf, dass keinem eine Begegnung der tierischen Art durch die Lappen geht.
So bleibt auch die Gepardenfamilie nicht unentdeckt, die sich träge unter einem Baum niedergelassen hat. Bullige Hippos amüsieren sich zu zweit im Wasserloch. Ein verstohlener Blick, und schnell sind mehrere Filme verknipst. Die ideale Zeit für Fotos sind der Morgen und der späte Nachmittag, dann ist das Licht am besten. Der Puls der Besucher rast: Jetzt nur keine hastige Bewegung machen, nur ja nicht den Motor starten. Noch reicht das Licht, um diese Augenblicke für immer festzuhalten.
Ein wahres Affentheater veranstalten die Paviane, die in der Region weit verbreitet sind. Auch zahlreiche Stummelaffen und Meerkatzen leben hier. Giraffen sind zu sehen, die bis zu sechs Meter hoch werden und bis zu 800 Kilogramm auf die Waage bringen. Doch auch die Landschaft fasziniert: In dunstiger Ferne erhebt sich majestätisch der Kilimandscharo, der bei den Afrikanern als "Berg der bösen Geister" gilt.
Doch Hemingways Afrikawelt erwacht erst richtig bei Nacht, wenn alles raschelt und rauscht, girrt und gluckst, keift und keckert. Nur eine Zeltwand trennt den Menschen von der Wildnis, von kauenden Büffeln und stampfenden Elefanten. Das Brüllen der Löwen ist nah. Doch nach dem hervorragenden Sechs-Gänge-Menü, dem Rotwein am Lagerfeuer und einem Gefühl irgendwo zwischen Romantik und Melancholie stellt sich die Bettschwere ohnehin rasch ein.
Wer sich für ein Zeltcamp der Luxusklasse wie das Kusini Camp entscheidet, muss auf nichts verzichten: aweder auf sein weiches Bett, noch auf seine eigene Toilette oder die heiße Dusche. Alles liegt direkt am Zelt - im liebevollen Service inbegriffen ist sogar die Wärmflasche, die Abend für Abend die Laken wärmt.
Der nächtliche Traum von Hemingways Afrikawelt endet morgens ganz sanft: mit einem leisen Ratschen des Reißverschlusses und einem freundlichen "Early morning tea". Nun ist Zeit für ein üppiges Frühstück mit allem, was dazugehört, etwa dem Blick auf die grünen Hügel. Ein neuer Tag beginnt, an dem die Serengeti wieder viel zu bieten hat - zu viel, um diesen Tag in Hemingways Afrika nur zu verträumen.