Russland: Weiße Nächte am Ladoga-See - DER SPIEGEL
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Russland Weiße Nächte am Ladoga-See

Nächtliche Stille unter milchig-weißem Himmel. Kein Ufer ist zu sehen, seit das Boot die Neva verlassen hat und an der Festung Schlüsselburg vorbei auf das offene Wasser hinausgefahren ist. In den "Weißen Nächten", zwischen Tag und Nacht, für die auch St. Petersburg berühmt ist, entfaltet der Ladoga seinen Zauber.
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Ladoga - Der Ladoga im Nordwesten Russlands ist mit seinen rund 18.000 Quadratkilometern Europas größter Süßwasser-See - und ein noch unentdecktes kleines Paradies. Außer russischen und finnischen Touristen verirrt sich kaum jemand hierher. Dabei hat der Ladoga viel zu bieten: Naturliebhaber können einsame Sandstrände, Wälder und Inseln genießen oder Bootsfahrten unternehmen. Alt-Ladoga am Südufer gilt als die Wiege der russischen Kultur, Festungen und Kirchen zeugen von vergangener Größe.

Alt-Ladogas Geschichte reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Warägerfürst Rurik machte Alt-Ladoga in der Mitte des 9. Jahrhunderts zu seiner Hauptstadt - der ersten Hauptstadt der alten Rus und damit zur Vorgängerin von Moskau und St. Petersburg.

Heute ist nur noch wenig vom Glanz der Geschichte zu spüren, aber die restaurierte Festung der Waräger, zahlreiche Kirchen, Ruinen und Klöster in der leicht hügeligen Landschaft laden zum Ausflug in die Vergangenheit ein. Das Gebiet ist touristisch nicht erschlossen, besitzt aber immerhin einige Museen.

Der Tourismus blüht noch am ehesten weiter nördlich, am anderen Ende des Sees. Die Klosterinsel Valaam hat sich nach dem Ende des Kommunismus wieder zu einem beliebten Pilgerziel entwickelt. Morgens legen Boote aus St. Petersburg an, die am Abend erst die Neva herauf und dann in der Nacht über den See gefahren sind.

Valaam - der finnische Name verrät, dass der Nordteil des Sees lange zu Finnland gehörte - ist die größte der über 660 Inseln des Sees. Übersät von kleinen Kirchen, Kapellen und Einsiedlerhöhlen ist Valaam ein Zentrum des russisch-orthodoxen Glaubens. Schon im 1. Jahrhundert soll der Überlieferung nach ein christlicher Missionar aus Nowgorod seinen Fuß auf die Insel gesetzt und ein Steinkreuz errichtet haben. Bald entstand auch das Kloster von Valaam, das aber Anfang des 17. Jahrhunderts von den Schweden zerstört wurde. Die heutigen Bauten stammen zum größten Teil aus dem 19. Jahrhundert, als das Kloster seine Blütezeit erlebte.

Valaam war mehr als hundert Jahre Teil des finnischen Großherzogtums des Russischen Reiches und fiel nach der russischen Revolution an das unabhängige Finnland. Während die Sowjets den Glauben unterdrückten, Priester in Lager steckten und Kirchen zu Lagerhallen umfunktionierten, blieb Valaam verschont. Doch die Geistlichen flüchteten im Februar 1940 nach Finnland, als Valaam nach dem russisch-finnischen Krieg der Sowjetunion zugeschlagen wurde. In der sowjetischen Zeit diente das Kloster von Valaam lange als Behindertenheim. Die Mönche kehrten erst im Jahr 1989 zurück.

Die bewaldete Insel lässt sich in einem Tagesausflug zu Fuß erkunden. Wanderwege führen durch Wälder, an stillen Seen und kleinen Kapellen vorbei. Die Schiffe aus St. Petersburg legen morgens an und fahren abends wieder zurück. Auf der Insel leben mehr als 200 Vogelarten. Da sich der bis zu 230 Meter tiefe See im Frühjahr nur langsam erwärmt - im Winter ist die Eisschicht an manchen Stellen bis zu hundert Meter dick - hinkt die Natur den Jahreszeiten ein wenig hinterher.

Am Westufer des Sees, eine dreistündige Bahnfahrt von Petersburg entfernt, liegt Priozersk, eine geeignete Basis für Badeausflüge. Die Kleinstadt baut derzeit ihre touristische Infrastruktur aus. Ideal für ein paar ruhige Tage ist es, sich ein Wochenendhaus - "Datscha" - in Seenähe zu mieten - wenn auch die meisten Häuser eher bescheiden ausgestattet sind.

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