Pariser Musikszene "Laissez nous danser!"
Paris - "Hier gibt es die kreativsten DJs, die besten Partys und die innovativsten Musiklabels", ist Laurent Queige überzeugt. Seit fünf Jahren organisiert er die Techno-Parade "Laissez nous danser!" - zu Deutsch: Lasst uns tanzen, das Pariser Gegenstück zur "Love Parade". Zur gleichen Zeit steht die französische Hauptstadt eine Woche lang mit Workshops, Konzerten und Vorträgen ganz im Zeichen der elektronischen Musik.
Zu den angesagtesten Clubs zählt nach wie vor der Rex Club am Boulevard Poissonnière im 2. Arrondissement. Als "After-Show-Location" und Musikvideokulisse sollen sogar Künstler wie Prince und Brian Ferry den ältesten Technotempel der Stadt schätzen. Der Club ist Spielwiese für jedwede Art elektronischer Musik - ein Blick auf die Internetseite www.rexclub.com informiert, welcher Mixer in welcher Nacht an den Plattenspielern steht.
Ob House oder Techno - DJs aus der ganzen Welt lassen die beste Sound-Anlage der Stadt vibrieren. Gegen Mitternacht geht es los. Wer hinein will, braucht Geduld: Ellenlange Warteschlangen winden sich an so manchen Abenden vor der Tür, bis zum Einlass kann es schon einmal zwei Stunden dauern.
Seichtere Chill-out-Töne im "Le Batofar"
Ebenso angesagt ist "Le Batofar" am Port de la Gare in der Nähe der Nationalbibliothek. Schon von weitem ist das leuchtend rote Schiff am Seineufer zu sehen. Seit 1999 zieht es Clubber aus der ganzen Stadt an. Für 7 bis 12 Euro Eintritt gibt es dort vor allem am Wochenende "Mainstream House". Das Publikum ist zwischen 20 und 35 Jahren alt. Touristen können sich unbemerkt unter die Pariser Szenegänger mischen.
Das Innere des "Batofar" - im Namen verbergen sich die beiden Worte bateau, zu Deutsch: Schiff, und phare, übersetzt: Leuchtturm - wirkt düster. Die Eisenwände sind schwarz gestrichen, die größten Lichtquellen verbergen sich in den Barregalen und am DJ-Pult. Jeden Abend stehen andere Mixer aus der ganzen Welt an den Plattentellern. Darunter mischen sich auch schon einmal seichtere Chill-out-Töne etwa von Air und St. Germain, den Vätern der neueren französischen Lounge-Musik.
Wohnzimmeratmosphäre verströmt auch die zweite Club-Bar am Seineufer, "Le Quai - Kiosque Flottant 3" am Quai Anatole France. In dem ehemaligen Ausflugsdampfer knarren die Schiffsbohlen, und die freundlichen Barkeeper mixen leckere Cocktails. Als Bar dient ein niedriger Tisch, den viele Flaschen mit buntem Inhalt und eine überdimensionale mit Früchten beladene Etagère zieren. Die riesigen silbernen Kerzenständer lassen die Bar barock anmuten.
Für den wackeligen Boden unter den Füßen sorgen die vorbeifahrenden Ausflugsschiffe, die auch noch abends die Seine entlang schippern. Denen kann man von den zierlichen Sechziger-Jahre-Sesseln aus zuschauen, bevor man sich auf die Tanzfläche wagt.
Belleville etabliert sich als Künstler- und Intellektuellenviertel
Weniger trendy geht es im "La Cavern" in der Rue Dauphine in St. Germain des Prés zu. In dem kleinen, extrem schmalen Raum erstreckt sich an der einen Seite die Bar, die kaum noch Platz für Gäste lässt. Die drängeln sich entweder am Tresen oder schlängeln sich zum Ende des Raumes. Allerdings nicht, ohne vorher eine der Wodkaspezialitäten zu trinken - mit Karamel- oder Melonengeschmack ist gerade angesagt. Wer sich dann weiter vorkämpft, gelangt über eine Treppe in einen Gewölbekeller.
Hier ist es verraucht, stickig, brechend voll und laut. Viel versprechende Bands geben ihr Können zum Besten. An den langen Tischen lümmeln sich Mittzwanziger bis -dreißiger, die an Zeiten der Studentenrevolte oder auch die Blüte der Intellektuellen in Paris erinnern. Ein Abstecher ins "La Cavern" lohnt sich für alle, die einmal eine Pause von der elektronischen Musik brauchen.
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Als Künstler- und Intellektuellenviertel etabliert sich seit einigen Jahren zunehmend Belleville - in und um den gleichnamigen Boulevard und die Metrostation. Das Gebiet im ehemaligen Arbeiterviertel erstreckt sich über Teile des 10., 11., 19. und 20 Arrondissement. In den zahlreichen Clubs und Bars ist jede Musikrichtung zu finden, ob Rock, Punk oder HipHop. Aktuelle Veranstaltungen und Tipps gibt es in den kostenlosen kleinen Heftchen "Lylo", die überall ausliegen.
Berühmt ist das Viertel vor allem für seine so genannten "Squad-Partys" - wilde Partys, die auch in Berlin vor einigen Jahren immer mal wieder Polizei und Ordnungsamt auf den Plan riefen. Überwiegend junge Leute suchen sich leer stehende Gebäude oder Keller und stellen dort für einen Abend ihre Anlagen auf. Diese Partys sind für Ortsunkundige nicht allzu leicht auszumachen. Mutige allerdings suchen sich ihren Weg, sobald laute Musik aus einem etwas baufälligen Gebäude bis auf die Straße schallt.
Mit leeren Händen sollte man dort jedoch nicht auftauchen. Als ungeschriebenes Gesetz gilt: Jeder bringt irgendetwas mit - egal ob Bier, Wein, Cola oder Chips - und das wird geteilt. Für alle, die es etwas konventioneller mögen, hält das Pariser Tourismusbüro Listen mit Restaurants, Bars und Club bereit.
Von Britta Schmeis, gms