Autausch-Log USA: Alina zurück in Deutschland - DER SPIEGEL
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Heimflug nach dem Austausch: Guess who's back?

Foto: Alina Buxmann

Austausch-Log USA Alina, was nuschelst du?

Zehn Monate weg, was hat sich da verändert? Der Freund, die Freunde, die Familie? Alina, 17, landet mit einem mulmigen Gefühl in Deutschland, doch alles schmeckt, riecht und sieht aus wie früher, fast alles.
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Mit zitternden Knien und verschwitzen Händen hieve ich meine zwei Koffer vom Gepäckband. Mein Herz klopft wie verrückt. Komische Gedanken schießen mir durch den Kopf: Hoffentlich wird meine Familie nicht enttäuscht davon sein, was aus mir geworden ist, in meinem Jahr in Union City, Pennsylvania. Ich atme tief durch, rücke mein Kleidung zurecht und laufe los: Die Schiebetüren öffnen sich.

Wortlos schließt mein Vater mich in eine feste Umarmung und gibt mich wieder frei, um mir mein Gepäck abzunehmen. Meine in Tränen aufgelöste Mutter fällt mir um den Hals. Dann liege ich endlich in den Armen meines Freundes und unsere monatelange Fernbeziehung hat ein Ende.

Ein paar Stunden später bin ich in meinem Zimmer in Ramsloh. In meiner Abwesenheit diente es als Videospielzimmer und Abstellraum, doch meine Mutter beteuert, alles sehe jetzt genauso aus wie ich es verlassen habe. Kurze Zeit nach meiner Rückkehr hängt jetzt eine Broadway-Plakette an der Wand. Eine amerikanische Flagge liegt über meinem Sofa. Hinter einem Wandplakat ragt das "U" für Union City hervor. Es ist mein Varsity-Buchstabe, der eigentlich auf eine High-School-Bomberjacke genäht wird, zusammen mit Ansteckern der betriebenen Sportarten.

Trotz der neuen Dekoration riecht mein Zimmer auch nach einem Jahr noch wie bei meiner Abreise. Mein amerikanisches Parfum von Bath & Body Works habe ich zurückgelassen, genauso wie meine amerikanischen Freunde, meine Gastfamilie und den Hund Brody.

Heimweh, wenn der Hund bellt

Mitgebracht habe ich zwei Koffer voller neuer Kleidung, ein Küchengerät für meine Mutter als Geschenk meiner Gast-Mom und einen USB-Stick voller Erinnerungen und Abschiedsvideos, den meine Freunde mir mitgegeben haben. In einem kurzen Film singen sie für mich "Alle meine Entchen", das hatte ich ihnen in meiner ersten Woche in Pennsylvania beigebracht. Die Fotos sind eine Rückschau auf unser gemeinsames Jahr: mit spaßigen Shopping-Touren und Roadtrips, Strandspaziergängen in Florida und einer Überraschungsparty, die meine Freunde für mich geschmissen haben.

Mit Überraschungen ging es auch in Deutschland weiter: Am Tag nach meiner Ankunft fielen meine Freunde in meinem Zuhause ein. Ich würde nuscheln, unterstellten sie mir. Sonst sei ich aber immer noch die alte Alina.

Auch mir kamen sie nicht sonderlich verändert vor. Überhaupt dauerte es kaum eine Woche, bis ich mich wieder zu Hause fühlte. Meine Mutter hat jetzt zwar ein Smartphone, mein elfjähriger Bruder hat gelernt, sein Geschirr selbst vom Tisch zu räumen, und meine Tante erwartet in zwei Monaten ein Baby, aber es war doch mein Zuhause, in das ich zurückkehrte - genau rechtzeitig um zu erleben, wie Deutschland Fußballweltmeister wird.

Wenn ich einen kleinen Hund bellen höre oder mir meine Fotos von Amerika anschaue, habe ich ganz kurz so etwas wie Heimweh. Genauso hatte ich mich in Amerika gefühlt, als mich das Lächeln meines Gastcousins an meinen kleinen Bruder erinnerte oder ich das Bild von meinem Freund und mir sah, das über meinem Bett hing.

Doch der Abschied von meinem amerikanischen Leben, war kein Abschied von den Menschen, die ich lieb gewonnen habe. Meine amerikanischen Eltern haben am Ende oft betont, dass ich jederzeit "nach Hause" kommen könne. Ich versprach ihnen, das zu tun. Aber vorerst ist die Baseball-Saison vorbei - und ich feuere meinen Bruder wieder beim Fußball an.

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Foto: Schmidt-Gross

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