Wie ein geschlossenes Heim versucht, gewalttätigen Mädchen zu helfen - DER SPIEGEL
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Gewalttätige Mädchen "Party machen, das war das Wichtigste"

Trinken, Party, trinken. Für Schule war im Leben von Laura, 16, kein Platz, mit ihrer Mutter verstand sie sich nicht, und mit Streit konnte sie nicht umgehen. Das änderte sich erst, als sie in ein geschlossenes Mädchenheim zog.
Laura, 16: "Meine Mutter und ich verstehen uns am besten, wenn wir uns nicht jeden Tag sehen"
Laura, 16: "Meine Mutter und ich verstehen uns am besten, wenn wir uns nicht jeden Tag sehen"

Laura, 16: "Meine Mutter und ich verstehen uns am besten, wenn wir uns nicht jeden Tag sehen"

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"Vor etwa einem Jahr trank ich jeden Tag Alkohol. Angefangen habe ich mit Bier, dann kam Sekt, gemischter Wodka, Wodka pur. Ich trank immer nur so viel, dass ich noch wusste, was ich tue und wo ich bin. Party machen, das war das Wichtigste für mich.

Damals lebte ich in einer Wohngruppe. Ich war 15, meine Freundinnen waren schon älter, deswegen durften sie länger wegbleiben. Sie sagten: 'Komm doch einfach mit. Ist doch egal, was die Erzieher sagen.' Erst kam ich nur etwas später, dann blieb ich über Nacht weg, dann tagelang, dann auch mal wochenlang. Ich schlief in der Zeit bei Freunden, die schon eine eigene Wohnung hatten. Zur Schule ging ich kaum noch.

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Als ich von zu Hause ausgezogen bin, sagte meine Mutter: 'Es ist deine Entscheidung. Aber wenn du gehst, brauchst du dich nicht mehr melden.' Trotzdem rief sie mich oft an, als ich abgehauen war. Manchmal ließ ich es klingeln, manchmal ging ich ran und legte dann einfach wieder auf. Ich dachte immer noch: Ich bin ihr scheißegal, sie macht sich keine Sorgen, sie tut nur so. Inzwischen fange ich an zu glauben, dass sie sich wirklich Sorgen gemacht hat.

Meine Mutter und ich verstehen uns am besten, wenn wir uns nicht jeden Tag sehen. Als Kind lebte ich auch nicht bei ihr: Wir kommen aus Moldau, als ich etwa vier Jahre alt war, ging meine Mutter ins Ausland, um Geld zu verdienen, sie lebte erst in Rumänien, dann in Deutschland. Eigentlich ist sie Lehrerin, aber ihr Abschluss zählte im Ausland nicht.

Meine Schwester, mein Bruder und ich lebten zunächst bei meiner Tante, dann gab uns ihr Mann ins Heim. Wir wurden dort viel geschlagen. Später nahm meine Oma uns zu sich. Meine Mutter besuchte uns manchmal, vor allem aber telefonierten wir. Vor etwa sieben Jahren holte sie uns nach Deutschland, da muss ich etwa neun gewesen sein.

Mein Vater lebt noch in Moldau. Ich habe ihn kaum kennengelernt, nur vor etwa zwei Jahren einmal mit ihm geskypt. Danach habe ich den Kontakt wieder abgebrochen. Ich hatte sowieso ein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter, mein Vater verschlimmerte es noch; er wollte uns auseinanderbringen, indem er uns gegenseitig Lügen voneinander erzählte.

Vor etwa sieben Monaten bin ich dann in die Niefernburg gezogen, inzwischen lebe ich in einer Familie, die mich betreut. Seitdem verstehe ich mich echt gut mit meiner Mutter. Die Niefernburg hat mir sehr geholfen, besonders die Kunsttherapie. Das weiß ich rückblickend. Auch wenn es mir hier nicht immer gutging.

Ich mag keinen Streit. Früher ging ich einfach weg - oder schlug zu. In der Niefernburg geht das nicht. Deswegen wurde ich richtig wütend, aber nur in mir drinnen, ich zeigte es nie. Anfangs zog ich mich auf mein Zimmer zurück und puzzelte. Inzwischen habe ich gelernt, mich Problemen zu stellen und mich auch mal um mich selbst zu kümmern. Die Erzieher haben mich sogar Mutter Teresa getauft, weil die anderen mir immer wichtiger waren.

Zu meinen alten Freunden habe ich den Kontakt abgebrochen. Manchmal fällt mir das immer noch schwer, ich hatte schließlich auch schöne Zeiten mit ihnen.

Zwischenzeitlich wollte ich zurück nach Hause, zurück zu meinen Freunden, meiner Familie, auf die alte Schule. Ich wollte nicht mehr unter fremden Menschen leben. Dann entschied ich mich doch für die Familie. Ich werde so lang bleiben, bis ich meinen Schulabschluss geschafft habe. Danach möchte ich eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen. Auch wenn ich selbst nie im Kindergarten war und im Kinderheim schlechte Erfahrungen gemacht habe, möchte ich mit Kindern arbeiten. So kann ich noch erleben, wie es im Kindergarten ist."


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Aufgezeichnet von Frauke Lüpke-Narberhaus