Privat-Universitäten: "Ein echter Vorteil" - DER SPIEGEL
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Privat-Universitäten "Ein echter Vorteil"

Die Privathochschule ESCP-EAP arbeitet europaweit und firmennah.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nur noch eine halbe Stunde, dann ist es so weit. Die letzte Prüfung. Die Kandidatin Friederike Till, 24, wirkt bemerkenswert ruhig: "Eine Eins vor dem Komma möchte ich erreichen."

Gelassen sieht sie auch ihre berufliche Zukunft. Erst einmal gönnt sie sich eine kleine Pause, im September oder Oktober will sie dann zu arbeiten anfangen, etwa vier Wochen vorher wird sie sich bewerben. Sorgen, dass sie keine Stelle nach ihren Wünschen bekommen könnte, macht sie sich nicht.

Die Absolventin der Europäischen Wirtschaftshochschule ESCP-EAP mag überdurchschnittlich selbstbewusst sein, unrealistisch ist sie aber nicht. Bisher ist keiner ihrer rund 3500 Vorgänger des Studiengangs "Internationale Betriebswirtschaft" der privaten Hochschule ohne Job geblieben. Die Einstiegsgehälter der jungen Diplomkaufleute, die oft direkt vom Campus weg engagiert werden, liegen um die 50 000 Euro, in Ausnahmefällen sogar bei 100 000.

Die sperrige Abkürzung ESCP-EAP steht für die Verbindung der École Supérieure de Commerce de Paris und der École Européenne des Affaires. 1999 fusionierten die beiden Institute. Der deutsche Standort der ESCP-EAP liegt in Berlin-Charlottenburg, doch das dreijährige Hauptstudium absolvieren die Privathochschüler europaweit ­ jeweils ein Jahr in Paris, Oxford (ab 2003 in London) und in der deutschen Hauptstadt. Unterrichtet wird in der jeweiligen Landessprache, ein dreimonatiges Praktikum in jedem Land ist obligatorischer Bestandteil der Ausbildung.

Der Lohn für die Wanderjahre sind drei Abschlusszeugnisse: das französische Diplôme de Grande École, der englische Master of Science und der deutsche Diplomkaufmann. Gute Kenntnisse in zwei Fremdsprachen, Kontakte zu Leuten aus aller Welt und Erfahrungen mit fremden Kulturen sind weitere Zutaten für eine steile Karriere.

Regelmäßige Recruiting-Days, Veranstaltungstage, an denen Unternehmensvertreter und Studenten einander kennen lernen und Kontakte für die Zukunft knüpfen sollen, sind fester Bestandteil des Hochschulalltags. Konzerne wie L'Oréal, DaimlerChrysler, Dresdner Bank, Bertelsmann, General Electric entsenden ihre Personalexperten in das schöne Spätbarockgebäude im Heubnerweg.

Besonders stolz sind die Berliner auf zwei Zahlen: Nur 0,3 Prozent ihrer Studenten brechen das Studium ab, an den staatlichen Universitäten sind es 30 Prozent, und: Auf einen Dozenten kommen 8 Studenten, an den Staatsuniversitäten müssen sich 26 Wirtschaftsstudenten einen Wissenschaftler teilen.

Hohe Studiengebühren sind nicht die einzige Hürde: Die Bewerber müssen vergleichsweise strenge Aufnahmeprüfungen überstehen - Intelligenztest inklusive.

10 000 Euro gibt die ESCP-EAP pro Jahr und Student aus. Die Privathochschule finanziert sich aus Geldern der Pariser Handelskammer, aus Sponsorenspenden und aus Studiengebühren, für den deutschen Standort kommen Zuschüsse des Landes Berlin hinzu. Diese Art der Finanzierung verpflichtet: "Unsere Kunden ­ Studenten wie Unternehmen ­ wollen etwas sehen für ihr Geld", erklärt Rektor Herwig Haase.

Studenten der ESCP-EAP müssen für das BWL-Studium jährlich 6300 Euro plus eine Einschreibegebühr von 500 Euro bezahlen. Andere Angebote, etwa postgraduelle Programme für den Abschluss Master of Business Administration oder individuelle Weiterbildungskurse, kosten zwischen 2600 und 6300 Euro im Jahr.

Eine Menge Geld, aber laut Rektor Haase musste noch kein Student wegen finanzieller Probleme auf den BWL-Studiengang verzichten. Es gibt vielfältige Förderungsmöglichkeiten, angefangen beim Bafög über Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bis zu Beihilfen der Hertie-Stiftung, die pro Jahr 20 Studenten unterstützt. Die Praktika bilden eine weitere verlässliche Einnahmequelle für Studenten.

Die hohen Studiengebühren sind indes nicht die einzige Hürde: Nach der Zahlung von 100 Euro Gebühr und dem Nachweis eines Vordiploms in Wirtschaftswissenschaft müssen die Bewerber vergleichsweise strenge Aufnahmeprüfungen überstehen.

In Deutschland werden 120 Anwärter anderthalb Tage lang schriftlich und mündlich auf ihre Tauglichkeit getestet ­ Intelligenztest und diverse Sprachprüfungen inklusive. Die mündliche Prüfung setzt sich aus einem Einzel- und einem Gruppeninterview zusammen, in denen "die persönliche Motivation" und "das Gruppenverhalten" ergründet werden sollen. 30 bis 40 Bewerber werden nach der Prozedur aufgenommen. "Unser Vorteil gegenüber staatlichen Universitäten ist", so Haase, "dass wir unsere Studenten selbst aussuchen."

Die anderen rund 100 Studenten für den dreijährigen Lernmarathon kommen vorwiegend aus Frankreich. Die Auserwählten verbringen die Studienzeit gemeinsam. Dieser Gruppenzusammenhalt ist "ein echter Vorteil", findet Examenskandidatin Till. "So funktioniert die Teamarbeit wirklich gut, und es können auch Freundschaften entstehen."

Bislang gibt es für die Berliner aber nicht nur Bestnoten. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft beurteilte Ende vergangenen Jahres 16 deutsche Privathochschulen. Auf einer Skala von 1 für "überzeugend" bis 3 für "problematisch", errang die ESCP-EAP nur eine 2 ­ "annehmbar".

Positiv bewertet wurden zwar das Konzept mit internationalem Austausch und die "gute Studierendenauswahl". Negativ fiel den Experten jedoch auf, dass zu wenige Studenten aus anderen Ländern als Frankreich und Deutschland an dem BWL-Studiengang teilnehmen. Außerdem bemängelten sie neben der verwirrenden Anzahl von Zertifizierungen die "Konzentration nur auf Europa".

Das ficht ESCP-EAP-Rektor Haase aber nicht an. "Was heißt denn international? Amerikanisch? Was unsere Studenten lernen, wenn sie in anderen Kulturen leben und arbeiten, ist universell."

KATHARINA STEGELMANN

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