Wahlanalyse Klare Fronten
Lange nicht mehr haben sich die Lager so klar aber auch so knapp sortiert wie bei dieser Wahl. Die Wirtschaft einerseits, soziale Gerechtigkeit andererseits bewegten die Wähler; ein Spagat, der Stoiber nicht glückte. Dazu kam, so ARD-Wahlanalyst Jörg Schönenborn, dass "die Themen Ausländerpolitik und Kriminalitätsbekämpfung für die Wahlentscheidung keine Rolle spielten". Die SPD büßte vor allem bei Arbeitern und Angestellten kräftig ein, während CDU/CSU gerade bei diesen und bei den Arbeitslosen punkteten. Insgesamt gewann die Union 1,25 Millionen SPD-Wähler für sich. Verloren hat sie nur ans Jenseits: 670 000 Erstwählern stehen bei CDU/CSU 1,21 Millionen seit 1998 verstorbene Anhänger entgegen ein Zeichen struktureller Überalterung. Die FDP verdankt ihr schmales Plus Ex-SPD-Wählern, die auf eine neue sozial-liberale Koalition gesetzt hatten. Noch mehr Leihstimmen sammelte Joschka Fischer von der SPD ein. Seine Grünen stiegen vor allem in der Gunst der Selbständigen und verloren nur 10 000 Wähler am linken Rand an die PDS. Vom Rückzug Gregor Gysis hat die sich, so Schönenborn, "nicht mehr erholt": 290 000 PDS-Parteigänger wählten diesmal SPD und retteten so der Doris ihrem Mann seiner Partei die Macht.