Cebit-Trendthemen: Elektronik für Bild und Ton - DER SPIEGEL
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Cebit-Trendthemen Elektronik für Bild und Ton

Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es auf der Cebit wieder echte Innovationen zu sehen. So manchem Produktkonzept merkt man an, dass die Macher aus Fehlern gelernt haben: Produziert wird nicht einfach alles, was machbar scheint, sondern alles, was sich der Kunde angeblich wünscht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

DIGITALKAMERAS

Schwierige Ehe

Camcorder, die auch gute Digitalfotos machen, sind selten. Aus gutem Grund: Digitalfoto und Digitalvideo zu verheiraten ist nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Tatsächlich müssen die Geräte ganz unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Die eher spärliche Auflösung des Fernsehformats Pal von 720 mal 576 Pixeln, das die Videokameras aufzeichnen, ist selbst mäßigen Fotoapparaten weit unterlegen. Andererseits sind die Fotokameras mit der Geschwindigkeit überfordert, die Videochips an den Tag legen müssen: rund 25 Einzelbilder pro Sekunde.

Der Bildsensor (CCD-Chip) der wenigen Kombi-Geräte wie etwa der Canon "Optura Xi" ist daher doppelt gefordert. Die Optura zeichnet sowohl Digitalvideos in TV-Qualität auf als auch Einzelbilder mit immerhin 2 Megapixeln Auflösung. Dieser Kompromiss hat seinen Preis: Konkurrenzfähig zu modernen Digitalfotoapparaten ist der Kombi-Camcorder wegen der niedrigen Auflösung nicht.

Einfacher macht es sich Samsung mit der "Duocam II" - einem erstaunlichen Zwillingsgerät: In dem Gehäuse wohnen die ungleichen Komponenten streng voneinander getrennt. Zwei Objektive und zwei CCD-Chips residieren übereinander - oben Video, unten Foto. So schießt die Duocam Fotos mit 5 Megapixeln Auflösung. Erst in der Bildverarbeitungselektronik laufen die schwer zu verheiratenden Signale dann zusammen.


INTERNET-MUSIK

Vom Piratennest zum Eldorado

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder will demnächst einmal Musik aus dem Internet herunterladen - aber bitte legal. Auf dem traditionellen Cebit-Eröffnungsrundgang soll per Kanzlerklick der Musik-Download-Dienst "Phonoline" feierlich eröffnet werden.

Es sei denn, der mehrfach angekündigte Stapellauf wird wieder einmal verschoben. In jedem Fall ist "Phonoline" längst nicht mehr Avantgarde, sondern einer der zögerlichsten Nachzügler.

Als Apple-Chef Steve Jobs bereits vor knapp einem Jahr seinen Musikladen im Internet eröffnete, hatte er genau den richtigen Riecher: Er verkaufte online bisher 35 Millionen Musikstücke - leider nur in den USA. Jobs' Überraschungserfolg war der Beweis, dass Freunde von Internet-Musik nicht durchweg Kriminelle sind, sondern gern zahlen, sobald ihnen jemand ein leicht zu bedienendes Angebot mit großer Musikauswahl unterbreitet.

Nun auf einmal beeilt sich die Branche, das zu tun, was sie den Freunden der Internet-Musik bislang immer verbieten wollte: schamlos kopieren - in diesem Fall den Erfolg von Apples "musicstore". Die unterschiedlichsten Firmen bieten heute Netzmusik feil: die Kaufhauskette Karstadt, der Provider Tiscali, der Musiksender MTV, der Fernsehsender RTL, der Provider AOL - ebenso wie Telekom, Coca-Cola und Wal-Mart.

Plötzlich erscheint das Internet nicht mehr als Piratennest, sondern als Eldorado: Der Online-Vertrieb erspart die Kosten für Pressung, Verpackung und Transport von Tonträgern. Eigenartigerweise scheint es allerdings so, als setzten die meisten Musikverkäufer alles daran, ihr eigenes Angebot scheitern zu lassen: Die Verkaufspreise sind (mit meist ein bis zwei Euro pro Lied und bis zu 25 Euro pro Album) meist schamlos überzogen; das Angebot umfasst oft nicht einmal die aktuellen Charts; die Tonqualität ist dürftig; die Nutzungsbeschränkungen sind oft nervig und kompliziert.

Audiophile müssen also vorerst weiter auf die CD als Tonträger setzen - oder warten, bis Apple über seinen "musicstore" im Laufe des Jahres auch in Deutschland Musik verkauft.


HEIMVERNETZUNG

Funknetz für Fernseher

Rein technisch ist es kein Problem mehr, Videofilme vom PC auf dem Fernseher anzuschauen oder MP3-Musik aus dem Internet auf der teuren Hi-Fi-Anlage im Wohnzimmer anzuhören. Fast jeder kennt jemanden, der so etwas schon längst macht.

Tendenziell sind das allerdings die Leute, die gleich mehrere Computerzeitschriften abonniert haben. Der Rest der Kunden, der Aufwand und Kabelsalat scheut, wird nun von Unterhaltungstechnik-Herstellern mit einfach zu bedienenden Geräten für Nicht-Informatiker umworben.

Philips etwa stellt auf der Cebit zwei "Multimedia Link" genannte Geräte für das drahtlose Verschieben digitaler Inhalte vor, die an Fernseher oder Stereoanlage angeschlossen werden. Die nehmen dann über Funk Kontakt zum heimischen PC oder Laptop auf. Eine spezielle Software durchsucht deren Festplatten oder Bezahl-Dienste im Internet nach Seh- oder Hörbarem. Zu den Abspielgeräten im Wohnzimmer gelangen diese Multimedia-Dateien dann über die Funkbrücke durch die Luft.

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