Kultur: Was die Wurst so hergibt - DER SPIEGEL
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Kultur Was die Wurst so hergibt

Ein edel aufgemachtes Kompendium würdigt und feiert eine banale Hausmannskost.
Von Urs Jenny
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Endlich mal ein Coffeetable-Book, das dem Begriff Ehre macht: Augenweide nebst Nutzwert. Der Titel ist Programm: Es geht um die Wurst, doch ohne enzyklopädischen Anspruch. Man erinnert an die verleumderische Redensart "der liebe Gott wisse alles, nur nicht, was in der Wurst ist", setzt ihr das apokryphe Nietzsche-Wort "Wurst ist tot" entgegen und legt sich ins Zeug, um den trivialen Gegenstand zu rühmen. "Anmutig vereint die Wurst Griffigkeit und Appetitlichkeit und zieht uns in ihren Bann, auf dass wir ihr verfallen, physisch wie metaphysisch. Wer in das Mysterium Wurst eintaucht, dem erscheint es vollendet logisch, das Universum als Wurst zu erklären und zu begreifen."

Der Märchenbuchmaler Nikolaus Heidelbach blättert in einer delikaten Palette von Rosa-, Rostrot- und Brauntönen hinreißend ein Panoptikum von vermenschlichten Würsten auf, die den himmlischen wie den diabolischen Aspekt des Themas evozieren; die Autoren Wiglaf Droste und Vincent Klink ihrerseits, "der kochende Schreiber und der schreibende Koch", frönen ihrer Wurst-Passion bald autobiografisch, bald kulturhistorisch (Klink erinnert an die Assyrer als Erfinder der Wurst, Droste ergründet den Sonderweg der DDR-Wurstproduktion). Es sind, vergnüglich facettenreich, teils dreiste, fette, pointiert gerundete Kalendergeschichten, teils handfest warenkundliche Exkurse, die auch den Hobbykoch reichlich mit Rezepten zur heimischen Wurstproduktion versorgen. Fazit: Prinzip Hoffnung, denn "nur die Wurst hat zwei Enden".

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