Die Rahmedetalbrücke in Nordrhein-Westfalen ist Chefsache, stand sie doch exemplarisch für die marode Infrastruktur in Deutschland. 2021 wurde das Bauwerk wegen gravierender Schäden stillgelegt und später gesprengt. Seitdem war die A45 zwischen Hagen und Siegen – und damit eine wichtige Achse zwischen Ruhrgebiet und Spessart – unterbrochen. Inzwischen aber ist die 453 Meter lange Lücke auf der »Sauerlandlinie« so weit wiederhergerichtet, dass der Sauerländer Friedrich Merz am Montag eine Hälfte des Bauwerks für den Verkehr freigeben konnte. Der wird nun nicht mehr, wie in den vergangenen vier Jahren, Tag und Nacht durch Lüdenscheid rollen. Zwar bröselt und bröckelt es andernorts eifrig weiter. In der gebeutelten Stadt aber ist der Fortschritt angekommen – auf dem Stand von vor vier Jahren. fra
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: In der CDU-Welt funktioniert die innerparteiliche Demokratie. Bei der Wahl für den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung fiel der Kandidat des Parteivorsitzenden Friedrich Merz durch. Merz kommentierte das mit einem der schönsten Sätze der Welt: »Wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur.«
Schlecht: Das Justizministerium der USA hat die Epstein-Akten nur zum Teil freigegeben. So bleibt offen, ob Donald Trump in den Skandal um den Missbrauch junger Frauen verwickelt war.
»Wenn er die Wäsche fertig hat, geht immer der rechte Arm hoch.«
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
Hieroglyphe unserer Zeit
Foto: pagadesign / E+ / Getty Images
Bleigießen ist seit 2018 verboten, der Brauch aber geblieben. Heute schütten wir zu Silvester erhitztes Wachs oder Zinn in kaltes Wasser, wo die Substanz zu bizarren Formen erstarrt – aus denen wir dann zu lesen versuchen, was die Zukunft wohl bringen mag. Erkennen wir herz-, stern- oder ankerförmige Klumpen, steht angeblich Glück ins Haus. Dabei muss man kein Orakel befragen, um zu einer sicheren Prognose zu kommen: 2026 wird bizarre Formen annehmen. fra
Gegenstand der Politik
Foto: tatniz / iStockphoto / Getty Images
Das Paket
Na, hat der Postbote heute schon geklingelt? In der Flut der Pakete um Weihnachten könnte untergehen, dass längst auch die Politik das Format für sich entdeckt hat: als Bündel gemeinsam verabschiedeter Maßnahmen. Mit der Coronapandemie und dem russischen Angriffskrieg lernten die Deutschen »Entlastungspakete« schätzen, damals wurde allen Erwerbstätigen sogar eine Energiepauschale von 300 Euro gewährt. Ob den Bürgern auf lange Sicht durch politische Pakete, die oft die Aufnahme hoher Schulden bedeuten, jedoch am Ende etwas gegeben oder genommen wird, ist nicht immer sofort klar. Zuletzt loderte der Streit über das »Rentenpaket«, das auch die sogenannten Rentenrebellen nicht verhindern konnten. Beliebig anwendbar ist das modern klingende »Reformpaket«. Auch die Autoindustrie forderte eines. Beim aktuell beschlossenen »Infrastrukturpaket«, das wahlweise als »Milliardenpaket« bezeichnet wird, lässt sich immerhin der Umfang konkret beziffern: 500 Milliarden Euro, im weitesten Sinne für marode Infrastruktur und Maßnahmen der Klimaneutralität. Im Gegensatz zu Weihnachtspaketen ist es Bürgern bei Polit-Paketen unmöglich, die Annahme zu verweigern. Ein Retourenschein liegt auch nicht bei. ded
In Feierlaune: An den beiden Weihnachtsfeiertagen haben Menschen in allen Bundesländern frei, ebenso an sieben weiteren gesetzlichen Feiertagen, die in ganz Deutschland gelten. Nur der Tag der Deutschen Einheit ist vom Bund festgelegt, über die anderen entscheiden die Länder. Am großzügigsten ist Bayern: Dort gibt es zwölf gesetzliche Feiertage, überwiegend katholische Gemeinden feiern außerdem Mariä Himmelfahrt (15. August), Augsburgerinnen und Augsburger auch das Friedensfest (8. August). Zuletzt wurde darüber diskutiert, einen Feiertag zu streichen. So, argumentieren Befürworter, ließe sich mehr arbeiten und die Wirtschaft ankurbeln. sos
Lagos an der Küste Nigerias gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Mehr als 17 Millionen Menschen leben hier – in einer Metropole mit extremen Kontrasten zwischen Arm und Reich. Ende Dezember wird Lagos besonders lebhaft, denn dann feiern die Bürgerinnen und Bürger den »Detty December«. »Detty« stammt aus dem nigerianischen Pidgin‑Englisch und ist eine spielerische Version des Wortes »dirty« für »schmutzig«. Viele Menschen begehen die letzten Tage des Jahres ausgelassen – so wie diese Besucherinnen eines Nachtklubs. fin
Millionen Euro kamen 2025 auf der Plattform GoFundMe für Spendenaktionen zusammen, die überlasteten Mietern oder Wohnungslosen helfen. Im Vorjahr lag die Summe noch bei 2,3 Millionen Euro.
Die Feiertage zum Jahreswechsel sind auch Tage der Pein. Spätestens, wenn sich morgens die Liddeckel mühsam heben und der erste Lichtstrahl auf die Netzhaut trifft, steht die Frage im Raum: Welches alkoholische Getränk gestern Abend war schlecht? Umso dringlicher, einen Notplan zu haben: Gut, wer in diesem Moment die teilweise abscheulichen Ingredienzien für eines der vielen Smoothie-Rezepte gegen Kater und einen dieser sündhaft teuren, gehypten Thermomixe im Haus hat. Zum Trost für alle anderen: Man kann die nur schwer genießbare Trinkpampe zur Katerbekämpfung auch in einem profanen Standmixer herstellen. So oder so sollten Sie keine Hoffnung auf allzu schnelle Linderung haben: Sie kurieren gerade eine Vergiftung aus. mad
Kilometer weit ist die im Jahr 2023 spaßeshalber südlich von Chile abgeschickte Flaschenpost eines deutschen Polarforschers an seine Kinder gereist. Zweieinhalb Jahre später wurde sie unversehrt gefunden, an einem Strand des australischen Bundesstaats Tasmanien. Sie hatte die Antarktis im Uhrzeigersinn zu zwei Dritteln umrundet.
Der Vulkan Kilauea auf Hawaiis Big Island verblüffte die für ihn zuständigen Geologen im Dezember mit einer Attacke auf ihre Ausrüstung: Eine eigentlich in sicherer Entfernung angebrachte Webcam lieferte imposante Bilder der Eruption, etwa dieses, bis der Schauer aus geschmolzenem Gestein und heißer Asche das Gerät zerstörte. Der Vulkan ist einer der aktivsten der Welt, seit einem Jahr spuckt er regelmäßig Lava, oft in Fontänen, die Hunderte Meter hochschießen. Nach Einschätzungen von Forschern macht er keine Anstalten, damit bald aufzuhören. me
Calcio storico, italienisch für »historischer Fußball«, wird nur in Florenz gespielt. Ein Spiel dauert 50 Minuten, pausiert wird nur, wenn Sanitäter das Spielfeld betreten. Einen Punkt gibt es, wenn eine Mannschaft den Ball mit Händen oder Füßen in das Netz der anderen Mannschaft befördert; fliegt er darüber, bekommt der Gegner einen halben Punkt. Jeder darf mit Schlägen und Tritten angreifen – nur nicht von hinten oder gegen den Kopf. Früher wurde sonntags nach der Kirche gespielt, in feiner Kleidung. Die Regeln legen deshalb fest: Nicht die schönste Mannschaft gewinnt, sondern die Tore entscheiden über den Sieg. led
Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt.
Sie können SPIEGEL+ auf diesem Gerät weiterlesen oder sich , um Ihr Abo auf einem anderen Gerät zu nutzen.